Wirtschaft : Tarifpoker in der letzten Nacht

Bei dem Aufmarsch muss das Treffen ja erfolgreich enden: Alle 41 Vorstandsmitglieder der IG Metall versammeln sich am heutigen Mittwoch in Sindelfingen. Angereist aus der ganzen Republik werden die Spitzenfunktionäre aufpassen, dass ihr Kollege Berthold Huber nicht zu schnell nachgibt, wenn er sich mit dem Arbeitgeberführer Ottmar Zwiebelhofer wieder an den Verhandlungstisch setzt. Und Zwiebelhofer geht es ganz ähnlich, zum Showdown im Tarifpoker 2002 rückt auch die Arbeitgeberseite mit starker Mannschaft an. Ob das die Kompromissfähigkeit erhöht? Was ist eigentlich passiert seit jenem 19. April, als in der langen Nacht von Ludwigsburg ein paar Dutzend Varianten für einen Tarifabschluss aufgeworfen, durchgerechnet und verworfen wurden? Beide Seiten haben seitdem ihre Positionen bekräftigt, und es ist auch ein bischen gestreikt worden. Das tut den Betroffenen weh - ein Streiktag bei Porsche soll das Unternehmen rund zehn Millionen Euro kosten - fällt ansonsten aber nicht weiter ins Gewicht, weil die IG Metall mit der neuen Flexi-Strategie sozusagen von Haus zu Haus zieht und somit einen "Flächenbrand" vermeidet. Bevor diese Streikstrategie der kleinen Nadelstiche noch über Wochen die Firmen belästigt und auch die IG Metall viel Geld kostet, haben die Beteiligten offenbar ihr Mütchen gekühlt (Gewerkschafter) respektive sich zu einem höheren Angebot durchgerungen (Arbeitgeber). Vermutlich wird die Nacht lang in Stuttgart. Wenn den ersten Verhandlern dann die Augen zufallen und das Bett ruft, ist der Kompromiss endlich nahe.

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