Wirtschaft : Tarifpolitik: Die IG Metall bereitet den Streik vor

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Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen in der Metallindustrie begannen am Freitag die Vorbereitungen für den Arbeitskampf. Die Stuttgarter IG Metall stellte einen Antrag auf Urabstimmung. Am kommenden Dienstag will der Vorstand der Gewerkschaft dann festlegen, wann und wo es eine Urabstimmung (siehe Lexikon ) gibt. Als ersten Streiktag peilt IG-Metall-Chef Klaus Zwickel den 6. Mai an. Die Tarifverhandlungen waren am Freitagmittag abgebrochen worden.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, gab der IG Metall die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Die Arbeitgeber hatten in Ludwigsburg bei Stuttgart ein Angebot vorgelegt, dass für zwei Monate einen Pauschalbetrag und für 13 Monate eine Lohnerhöhung um 3,3 Prozent vorsah. Die IG Metall forderte dagegen eine Vier vor dem Komma. Nachdem die Verhandlungen in den frühen Morgenstunden von der baden-württembergischen IG Metall für gescheitert erklärt wurden, kam es am Freitagvormittag zu einem Spitzengespräch zwischen Kannegiesser und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. Nach diesem nur einstündigen Treffen zog sich die Arbeitgeberseite für einige Stunden zu internen Beratungen zurück. Als Ergebnis dieser Beratungen verkündetet Kannegiesser das Scheitern der Verhandlungen.

Wie es aus Gesamtmetallkreisen hieß:, waren sich die anwesenden Arbeitgeber darin einig, dass das Angebot nicht aufgestockt werde. Anderes als in früheren Runden, wo vor allem Vertreter von Konzernen aus Angst vor einem Streik eher zum Nachgeben bereit gesesen seien, hätte es diesmal eine einheitliche Arbeitgeberfront gegeben. Kannegiesser sagte, mit dem Angebot "sind wir an die äußerste Grenze des wirtschaftlich gerade noch Vertretbaren gegangen". Sein Gegenüber Klaus Zwickel rechnet nun mit Streiks ab dem 6. Mai. "Die Arbeitgeber haben die letzte Chance zerschlagen, die Tarifbewegung friedlich zu lösen", sagte Zwickel. Eine Schlichtung scheide aus.

Der IG-Metall-Vorstand will am kommenden Dienstag nach den Sitzungen der regionalen Tarifkommissionen festlegen, wo Urabstimmungen stattfinden sollen. Die IG Metall gehe mit ihrer ursprünglichen Forderung von 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in den Arbeitskampf, sagte Zwickel. IG-Metall-Vize Jürgen Peters äußerte sich "sehr zuversichtlich", dass die Gewerkschaft in den Urabstimmungen der Betriebe die erforderliche Mehrheit für einen Streik erhält. "Es gibt eine ungeheuer große Bereitschaft unserer Mitglieder", sagte Peters. Zur geplanten Länge des Streiks sagte Peters: "Wir müssen mit allem rechnen."

Die Arbeitgeber hätten abwägen müssen, ob die Kosten für einen Konflikt oder einen hohen Abschluss für die Metall-Branche negativere Auswirkungen hätten, sagte Kannegiesser. "Nun müssen wir für unsere Haltung einstehen." Er bedauere die Entwicklung in der Tarifrunde sehr. "Jetzt ist die IG Metall am Zug", betonte Kannegiesser.

Unterdessen warnte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, die IG Metall davor, den Bogen zu überspannen. Beide Parteien seien sich in den Verhandlungen so nahe gekommen, dass "die Differenz nur noch eine Frage der Psychologie" gewesen sei, sagte Zimmermann der Deutschen Presseagentur. Ein Streik wäre für die anspringende Konjunktur und den Arbeitsmarkt sehr schädlich und hätte negative Signalwirkungen auf andere Branchen. Nach Einschätzung Zimmermanns "würde auch ein Streik der IG Metall nicht mehr als 3,5 Prozent bringen".

Der Stuttgarter IG-Metall-Bezirkschef Berthold Huber sagte, die Gewerkschaft habe mehrere Lösungsmodelle vorgeschlagen, die aber von den Arbeitgebern abgelehnt worden seien. Ein schlechterer Abschluss als in der Chemieindustrie sei für die bundesweit 3,6 Millionen Metaller nicht zumutbar, "zumal bei uns die Lage besser aussieht". Huber sagte weiter, "wir sind keine Bettler, und die Beschäftigten in den Betrieben auch nicht". Möglichkeiten zu weiteren Verhandlungen vor einem Arbeitskampf sieht Huber nach eigenen Worten nicht mehr. Es habe auch in dem Spitzengespräch kein Signal der Arbeitgeber gegeben.

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