Wirtschaft : Tarifpolitik: Metaller drohen mit Streik

Die Metall-Tarifverhandlungen für das als Pilotbezirk geltende Baden-Württemberg sind am Freitag gescheitert. Damit scheint ein Arbeitskampf unausweichlich. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel lehnte eine Schlichtung ab. Er sagte, am 6. Mai könnten Streiks beginnen. Von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werden nun Vermittlungsversuche zwischen den Tarifpartnern erwartet. Schröder hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass ein Arbeitskampf in der Metallbranche "nicht in die Landschaft passt" und der gerade anspringenden Konjunktur schade.

Am Freitagnachmittag hat die Große Tarifkommission der IG Metall in Baden-Württemberg einem Antrag auf Urabstimmungen in den Betrieben zugestimmt. Die Urabstimmung soll am 23. April beginnen. Die für einen Streik notwendige Zustimmung der Basis von 75 Prozent gilt als sicher. Trotzdem hieß es am Freitag im Kanzleramt, auch nach einem Abbruch der Tarifgespräche "gehen solche Verhandlungen manchmal verschlungene Wege".

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen wurde IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber von 240 Mitgliedern gefeiert. "Wir sind keine Bettler", sagte Huber. Auch ein Spitzengespräch zwischen Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser und Zwickel hatte keine Einigung gebracht. "Die Gespräche sind gescheitert. Wir bedauern das außerordentlich", sagte Kannegiesser. Die Arbeitgeber seien mit ihrem Angebot 3,3-prozentiger Lohnerhöhungen plus einer Einmalzahlung von 190 Euro für zwei Monate über das hinaus gegangen, was man zuvor als äußerste Belastungsgrenze der Firmen angesehen habe. Auf die Frage, ob die Arbeitgeber ein neues Angebot vorlegen werden, sagte der Gesamtmetallpräsident: "Jetzt ist die IG Metall am Zuge, wenn sie mit uns eine Lösung finden will." Aussperrungen schloss Kannegiesser nicht grundsätzlich aus. Die deutsche Metall- und Elektrobranche hat 3,6 Millionen Beschäftigte.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin), Klaus Zimmermann, warnte die IG Metall davor, den Bogen zu überspannen. Beide Seiten seien sich so nahe gekommen, dass "die Differenz nur noch eine Frage der Psychologie" gewesen sei, sagte Zimmermann. Ein Streik wäre für die anspringende Konjunktur und den Arbeitsmarkt sehr schädlich und hätte negative Signalwirkungen auf andere Branchen.

"Ein Abschluss unter vier Prozent ist noch im Rahmen dessen, was wirtschaftlich verträglich ist", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Da die Produktivität in der Metall-Industrie überdurchschnittlich hoch sei, könne die Branche auch einen höheren Tarifabschluss verkraften.

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