Tarifrunde 2008 : 4,4 Prozent mehr Lohn

Die Tarifparteien der Chemiebranche einigen sich auf eine Anhebung in zwei Stufen und eine Regelung der Altersteilzeit. Bei der Post drohen weitere Streiks.

Corinna Visser mit dpa
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Harter Job. Die Beschäftigten in der Chemie-Industrie sind häufig hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. -Foto: dpa

BerlinDie Tarifparteien in der ChemieIndustrie haben sich geeinigt. Der Abschluss hat zwei Stufen: In der ersten erhalten die rund 550 000 Beschäftigten ab diesem Jahr für 13 Monate 4,4 Prozent mehr Geld. Zudem können die Betriebe eine Einmalzahlung von 0,5 Prozent bezogen auf den Gesamtlohn von 13 Monaten zahlen. Diese Einmalzahlung ist jedoch flexibel und setzt eine Betriebsvereinbarung voraus. Das macht ein Einkommensplus von insgesamt 4,9 Prozent in diesem Jahr.

In der zweiten Stufe steigen die Entgelte ab 2009 um weitere 3,3 Prozent für zwölf Monate. Das teilten die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) am Mittwoch nach der zweiten bundesweiten Verhandlungsrunde im rheinland-pfälzischen Lahnstein mit. Die insgesamt 25-monatige Laufzeit beginnt regional unterschiedlich und endet zwischen Ende März und Ende Mai 2010. In Berlin (West) beginnt sie rückwirkend zum 1. April, in den ostdeutschen Bundesländern zum 1. Mai.

Gewerkschaft: Wir haben unser Ziel erreicht

„Die kräftige Anhebung der Einkommen entspricht der Lage, wir haben unser Ziel – ein höherer Abschluss als 2007 – erreicht“, sagte der Verhandlungsführer der IG BCE, Werner Bischoff. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich sieben Prozent mehr Lohn gefordert. Der Verhandlungsführer des BAVC, Hans-Carsten Hansen, sagte: „Mit diesem Tarifabschluss sind die Arbeitgeber bis an die Belastungsgrenze gegangen.“

Die Tarifparteien einigten sich zudem bei den Themen Lebensarbeitszeit und Ausbildung. 2009 und 2010 sollen insgesamt 18 200 Ausbildungsplätze angeboten werden. Beide Seiten bezeichneten den Abschluss als wegweisend für andere Branchen, bei denen in diesem Jahr noch Tarifverhandlungen anstehen. Die Verhandlungen in der Chemie-Industrie laufen regelmäßig ohne große Konflikte ab.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall reagiert reserviert

Der neue Tarifvertrag zur flexiblen Gestaltung der Lebensarbeitszeit greife die Herausforderungen der alternden Gesellschaft auf, teilte der BAVC mit. Kernpunkt sei eine Regelung zur Altersteilzeit, erklärte die IG BCE. Demnach werden 2009 betriebliche Fonds eingerichtet, die von den Arbeitgebern jährlich mit einem Beitrag von zunächst 300 Euro pro Beschäftigtem gespeist werden. So können Arbeitnehmer weiter ab dem 59. Lebensjahr ohne Abstriche in Altersteilzeit gehen. Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass die Altersteilzeit nach dem bisherigen Modell von 2009 an ausläuft. Altersteilzeitregelungen sind für die Beschäftigten der Chemie-Industrie wichtig, weil sie wegen der hohen körperlichen Belastungen durch ihre Tätigkeit oft nicht bis zum regulären Rentenalter von 65 Jahren voll arbeiten können.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall reagierte reserviert auf den Abschluss. Dies könne „nicht automatisch Maßstab“ für die Metall- und Elektrobranche sein, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Die Metallbranche verhandelt Ende des Jahres.

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