Wirtschaft : Tarifrunde und Konjunktur: Wendepunkt der Konjunktur in Sicht

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Die IG Metall sieht sich von positiven Konjunktursignalen in ihrer Forderung von 6,5 Prozent mehr Lohn bestätigt. Am Montag veröffentlichte das Münchner Ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex (siehe Lexikon ) für Januar, der mit 86,3 Punkten für Westdeutschland und 98,5 Punkten für Ostdeutschland eine wirtschaftliche Erholung in Aussicht stellt. Der Euro zeigte sich unbeeindruckt - er verlor gegen den Dollar auf 85,78 Cent. Volkswirte erwarten, dass die Konjunktur in den USA schneller anziehen wird.

Deutschlands Wirtschaft steht vor der konjunkturellen Trendwende. Diese Ansicht vertreten die Ifo-Volkswirte nach der Auswertung des Januar-Geschäftsklimas. Zwar beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage immer noch sehr negativ - aber die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich deutlich aufgehellt. Dies sei typisch für konjunkturelle Wendephasen, erklärten die Ifo-Volkswirte. Die Verbesserung des Geschäftsklimas sage noch nichts darüber aus, wie stark der Aufschwung ausfällt. Das Ifo-Institut erwartet den Beginn der Erholung im Laufe des zweiten Quartals 2002.

Zum Thema TED: Sind Lohnerhöhungen das richtige Konzept?
Der Euro sank trotz der Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung zwischenzeitlich auf 0,8575 Dollar - den tiefsten Stand seit sechs Monaten. Er stabilisierte sich dann aber wieder oberhalb der Marke von 0,86 Dollar. Händler begründeten die Euro-Schwäche mit der Erwartung, dass die US-Wirtschaft schneller anziehen werde. Außerdem habe US-Notenbank-Chef Allan Greenspan in der vergangenen Woche signalisiert, dass er vorerst keinen Grund für weitere Zinssenkungen sehe. Das helfe dem Dollarkurs. Der deutsche Aktienindex (Dax), der die 30 wichtigsten Aktiengesellschaften umfasst, gab nach einem kurzen Höhenflug ebenfalls nach und lag zum Schluss nur knapp im Plus bei 5159 Punkten. Grafik: Geschäftsklimaindex Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist einer der wichtigsten so genannten Frühindikatoren für die deutsche Wirtschaft. Diese Indikatoren messen, wie die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate wahrscheinlich ausfällt. Dazu werden Unternehmen zum einen nach ihrer aktuellen Geschäftssituation, zum anderen aber nach ihren Erwartungen befragt, die die Firmen selbst zum Beispiel an den Auftragseingängen und Bestellungen ablesen können. Das Ifo-Institut hat in diesem Monat seinen Rhythmus umgestellt. Statt über den vergangenen Monat berichtet das Institut nun über das Klima im laufenden Monat (siehe Lexikon, Seite 16).

Für die Gewerkschaften sind die besseren konjunkturellen Aussichten ein weiterer Grund, in der jetzt beginnenden Tarifrunde vergleichsweise hohe Forderungen zu stellen. Die wirtschaftliche Erholung sei in Sicht, die Geschäfte beispielsweise in der Metall- und Elektrobranche liefen nach wie vor gut. Vor diesem Hintergrund bekräftigte die IG Metall am Montag ihren Kurs, wonach sie in diesem Jahr eine deutliche Lohnerhöhung sehen will. Der Vorstand der Gewerkschaft beschloss am Montag, mit einer Forderung von 6,5 Prozent in die Tarifrunde zu ziehen. Es gebe "keinen Grund zu jammern", sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel nach dem Beschluss an die Adresse der Arbeitgeber.

Die IG Metall wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr den Pilotabschluss verhandeln. Der geltende Tarifvertrag läuft Ende Februar aus. Ende März endet die Friedenspflicht, die Streiks und Arbeitskampfmaßnahmen verbietet. Wenn die Arbeitgeber, wie angekündigt, einen Streik in jedem Fall verhindern wollen, müsste der Abschluss im Februar oder Anfang März gemacht werden.

Damit liegt die Metallgewerkschaft in der Zeit etwa vier Wochen vor der deutlich maßvolleren IG Bergbau Chemie Energie (IGBCE), die an diesem Dienstag ihre Forderung festlegen will. Zwar sagte auch IG BCE-Chef Hubertus Schmoldt, dass die Arbeitnehmer seiner Branche eine hohe Erwartungshaltung an die Lohnrunde hätten. Dennoch hat Schmoldt klargemacht, dass er nach wie vor zu den Vereinbarungen im Bündnis für Arbeit vor zwei Jahren steht. Damals wurde eine an der Produktivität orientierte beschäftigungsfördernde Tarifpolitik vereinbart. Das Bündnis geht von der Erwartung aus, dass ein vergleichweise niedriger Abschluss neue Arbeitsplätze schafft.

Am vergangenen Freitag war das Treffen der Spitzenfunktionäre von Arbeitgebern und Arbeitnehmern mit dem Bundeskanzler im Bündnis für Arbeit an genau dieser Frage gescheitert. Jetzt erwarten alle Beteiligten eine harte Tarifrunde. Die Gewerkschaften bekräftigten am Montag, dass sie notfalls auch streiken würden. Die Arbeitgeber nannten die Forderung der IG Metall "verantwortungslos".

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