Tarifstreit : Ab morgen Dauerstreik - Bahn will sofort verhandeln

Die Bahn knickt ein: Kurz nachdem die Lokführer einen 42-stündigen Streik im Güterverkehr ab Donnerstag angekündigt haben, ist die Bahn bereit, sofort morgen früh wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Basis dafür soll das Moderatorenergebnis sein.

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Bahn: Ein Streik im Güterverkehr hat verheerende Folgen. -Foto: ddp

Frankfurt/MainIm Tarifstreit bei der Deutschen Bahn ruft der Konzern zu Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL auf. "Wir sind bereit, morgen früh sofort mit ihnen zu verhandeln", sagte Transportvorstand Norbert Bensel. Basis sei das Moderatorenergebnis.

"Wir hoffen, dass es morgen Verhandlungen gibt und keine Streiks", so Bensel weiter. Ein Streik im Güterverkehr hätte verheerende Folgen für die Wirtschaft. "Wir halten einen Streik für unverantwortbar und unverhältnismäßig." Pro Tag würden nach Schätzungen 20 bis 50 Millionen Euro Schaden entstehen.

42 Stunden Streik

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zuvor einen 42-Stunden-Streik im Güterverkehr angekündigt, der morgen um zwölf Uhr beginnen soll. Wegen der Streiks, die von der Wirtschaft als Bremsklotz kritisiert werden, werde "weder einer verhungern, noch wird einer erfrieren in Deutschland", sagte Schell.

Zugleich drohte Schell bereits mit einer weiteren Eskalation des Tarifkonflikts: Der Regional- und S-Bahnverkehr soll zwar in den nächsten Tagen zunächst von weiteren Arbeitsniederlegungen verschont bleiben. Sollte sich der Bahnvorstand nicht bewegen, sehe sich die GDL jedoch "zu weiteren Arbeitskämpfen gezwungen", sagte Schell. Als Zeitraum nannte er die Woche vom 12. bis 16. November. "Dann werden wir uns nicht auf einen Bereich beschränken, sondern im Nah-, Fern- und Güterverkehr streiken." Zudem könnten die Streiks dann auch unbefristet sein.

GDL strebt nach Kompromiss

Schell betonte aber auch, dass der GDL an einem Kompromiss gelegen sei. Der Gewerkschaft gehe es nicht ums Streiken, sondern um ein Ergebnis. "Wenn die Bahn uns ein schriftliches Angebot vorlegt, dann ist der Arbeitskampf obsolet." Im Güterverkehr der Deutschen Bahn sind laut GDL 5500 Lokführer beschäftigt, von denen 80 Prozent in der Gewerkschaft organisiert sind.

"Wissentlich stellen wir kein Ultimatum. Aber der Bahnvorstand muss sich bewegen", sagte Schell. "Die Messlatte, was wir erwarten und wovon wir nicht abrücken, ist das Moderatorenergebnis." Unter Regie der CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf sei festgelegt worden, dass es einen eigenständigen Tarifvertrag geben müsse, der Arbeitszeit und Gehalt umfasse. "Wir werden nicht zulassen, dass ein Lokführer weiterhin mit 1500 Euro netto nach Hause geht", sagte Schell. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Geld.

Trotz angedrohter Streiks hatte die Deutsche Bahn am Dienstag kein neues Angebot vorgelegt. Personalvorstand Margret Suckale hatte die GDL aufgefordert, ihrer "Verpflichtung zum Verhandeln" nachzukommen. In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft mehrfach bundesweit den Regionalverkehr lahmgelegt. Das Sächsische Landesarbeitsgericht in Chemnitz hatte am vergangenen Freitag das Streikverbot im Fern- und Güterverkehr aufgehoben. (mit dpa/AFP)  

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