Tarifstreit : Bahn-Gespräche kommentarlos vertagt

Sie haben sich getroffen und vier Stunden geredet. Aber worüber sich die Spitzen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL unterhalten haben blieb auch nach dem Treffen unklar. Stellungnahmen gibt es erst morgen.

Schell GDL
Rauschte wortlos ab: GDL-Chef Schell (r.) mit dem Tarifexperten der Lokführer, Joachim ten Hagen. -Foto: dpa

Frankfurt/MainIn ihrem monatelangen Tarifstreit haben die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL ihre Gespräche wieder aufgenommen, jedoch keine Einigung erzielt. Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, verließen am Abend nach einem rund vierstündigen Austausch die alte Bahnzentrale in Frankfurt wieder, ohne sich zum Inhalt oder den Ergebnissen zu äußern. Konkrete Stellungnahmen werden erst am Mittwoch erwartet. Die Gespräche hatten am Vormittag in Egelsbach bei Darmstadt begonnen und waren dann zunächst unterbrochen worden. Die GDL hatte ursprünglich angekündigt, nach Ende des Treffens über den Verlauf zu informieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte von den Tarifparteien "volle Konzentration" auf eine schnelle Einigung. "Der Tarifkonflikt bei der Bahn darf nicht bis Weihnachten dauern", sagte Merkel der "Bild"-Zeitung.

Tiefensee kündigt neues Bahn-Angebot an

Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) betont, die Bahn wolle der GDL ein neues Angebot vorlegen. Das bekräftigte er am Rande der deutsch-italienischen Regierungskonsultationen in Meseberg bei Berlin, an der zeitweilig auch Bahnchef Hartmut Mehdorn teilnahm. Ob das dann eine tragfähige Basis für neue Verhandlungen darstelle, sei offen. "Die Positionen sind leider davon noch weit entfernt", sagte Tiefensee. Er appellierte an die Konfliktparteien, in Verhandlungen einzutreten.

Mehdorn, Bahn-Personalvorstand Margret Suckale, GDL-Chef Schell und GDL-Vize Claus Weselsky hatten sich nach Informationen des Hessischen Rundfunks am Vormittag am Flugplatz Egelsbach bei Darmstadt in einem Restaurant getroffen. Kurz vor Mittag flog Mehdorn dann nach Berlin, um wie Tiefensee an den Regierungskonsultationen teilzunehmen. Das Treffen von Bahn und GDL wurde daher unterbrochen, später aber in Frankfurt fortgesetzt.

Bewegung bei "Anne Will"

Nach monatelangem Tarifstreit und zuletzt einem Streik im gesamten Schienenverkehr der Bahn war in den vergangenen Tagen plötzlich wieder Bewegung in den festgefahrenen Konflikt gekommen. In der ARD-Talkshow "Anne Will" trafen am Sonntagabend Suckale und Schell aufeinander. Dabei rief Suckale Schell zu neuen Verhandlungen auf Grundlage des bestehenden Angebots vom Oktober auf.

Am Montag waren dann Mehdorn und Schell mit Bundesverkehrsminister Tiefensee zusammengetroffen. Er sagte danach, Mehdorn habe zugesagt, ein neues Angebot vorzulegen. Ziel sei, eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen, die der GDL ermögliche, weitere Streiks auszusetzen. Die Gewerkschaft hatte Ende vergangener Woche mit unbefristeten Streiks bei der Bahn gedroht.

Transnet will ebenfalls neu verhandeln

Das bisherige Angebot der Bahn enthält 4,5 Prozent mehr Geld, 600 Euro Einmalzahlung sowie weitere Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und deutliche Einkommensverbesserungen im zweistelligen Prozentbereich.

Schon vor Beginn des Treffens der Spitzenvertreter von Bahn und GDL forderte der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, ebenfalls ein neues Angebot der Bahn. Er gehe davon aus, dass die Bahn "auch die Interessen der übrigen Bahnangestellten" berücksichtige. Auch Transnet führe seit Monaten Verhandlungen um die Verbesserung der Entgeltstruktur bei der Bahn. (mit dpa)

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