Tarifstreit : Bahn rüstet sich gegen Streiks

Fahren ab Montag noch Züge? Die Deutsche Bahn will trotz der angekündigten Arbeitsniederlegungen in der kommenden Woche einen "belastbaren Fahrplan" anbieten und plant offenbar sogar den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte.

Hamburg/BerlinDie Deutsche Bahn hat sich mit Not-Dienstplänen für einen von Montag an bevorstehenden Streik der Lokführergewerkschaft GDL gerüstet. "Wir haben Notfallpläne, und wir haben uns mit unseren Mitarbeitern auf einen Arbeitskampf eingestellt", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale in einem Interview mit "Welt Online". "Die Bahn wird einen eingeschränkten, aber belastbaren Fahrplan anbieten."

Bahnkunden müssen sich von Montagnachmittag an auf Streiks und Störungen im Bahnverkehr einstellen. Der Mittwoch - der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) - soll aber streikfrei bleiben. Der von der GDL bislang zugesagte Verzicht auf einen Ausstand endete an diesem Sonntag. Ein Sprecher der Gewerkschaft hatte zuvor gesagt: "Bis dato stehen die Zeichen auf Streik." Zugleich versichert die GDL, dass es "am Montagmorgen definitiv nicht" zu Streiks kommen werde. Am Montagvormittag will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Frankfurt ihr weiteres Vorgehen bekanntgeben. Ebenfalls am Montagvormittag will der Bahn-Vorstand über den aktuellen Tarifkonflikt und ihre Vorbereitungen für einen Streik informieren.

"Auch der 3. Oktober bleibt streikfrei"

"Laut Auskunft der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wird es mindestens bis zum Mittag des 1. Oktober keine Streiks geben", heißt es auf der Internetseite der Deutschen Bahn. "Auch der 3. Oktober bleibt streikfrei." Für aktuelle Informationen zur Lage im bundesweiten Zugverkehr hat die Bahn einen kostenlosen Telefonkontakt (08000 996633) eingerichtet.

Ein Bahnsprecher bestätigte einen Bericht des "Spiegels", wonach die Bahn sicherstellen will, dass trotz Streiks deutlich mehr als 50 Prozent aller Züge fahren werden. Dies soll im Nah- wie im Fernverkehr gelten. Die Bahn, so der "Spiegel", treffe Vorkehrungen, dass streikwillige Lokführer erst gar nicht ins Führerhaus gelangen. Dem Bericht zufolge sollen Zuglenker einspringen, die den Gewerkschaften Transnet und GDBA angehören sowie Lokführer mit Beamtenstatus, die nicht streiken dürfen. "Unsere Mitglieder werden sich nicht als Streikbrecher missbrauchen lassen, aber ihren Dienst tun", zitiert der "Spiegel" den Chef der Gewerkschaft Transnet Norbert Hansen.

Kommen ausländische Lokführer?

Um die Streikfolgen zu mildern, könnten auch ausländische Lokführer eingesetzt werden. Ein Bahnsprecher bezeichnete dies im RBB-Inforadio allerdings höchstens auf lange Sicht als eine Option. Ausländische Lokführer müssten schließlich erst auf den deutschen Strecken eingearbeitet werden. Zuvor hatte "Bild am Sonntag" berichtet, ein "hoher Bahn-Manager" habe gesagt: "Wir wollen Lokführer aus dem Ausland wie Österreich und der Schweiz als Aushilfskräfte verpflichten."

Unterdessen hat Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) eine rasche Einigung zwischen Bahn und GDL angemahnt. Die Tarifparteien hätten eine "hohe Verantwortung", sagte Tiefensee der "Bild am Sonntag". "Sie müssen die Belange der Beschäftigten und des Unternehmens, aber auch die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft berücksichtigen."

Tiefensee "enttäuscht"

Im "Spiegel" warnte Tiefensee vor schädlichen Folgen eines Bahnstreiks für die Konjunktur: "Ein Streik kann verheerende Folgen für die Volkswirtschaft und den Aufschwung haben." Angesichts des verhärteten Tarifkonflikts zeigte er sich "sehr enttäuscht, dass sich die Bemühungen um eine Einigung zerschlagen haben".

Nach Informationen der "Bild" hatten sich Mehdorn und Schell am Donnerstag bereits geeinigt. Dies geht auf ein dem Blatt vorliegendes vertrauliches Protokoll hervor. Wenige Stunden später habe Schell die Einigung dann aber platzen lassen. "Wir haben ganz vernünftig unter vier Augen verhandelt und hatten schon einen Kompromiss", wird Mehdorn von "Bild" zitiert. "Dass die GDL-Funktionäre jetzt streiken wollen, ist mir völlig unverständlich." Suckale warf der GDL im "Handelsblatt" vor, sie sei nicht an einer Lösung interessiert. Die Gewerkschaft wolle "offensichtlich keinen Kompromiss. Anstatt zu verhandeln, erstarrt sie in der Rolle des Neinsagers". (mit dpa)

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