Tarifstreit bei der Bahn : Experten fordern freie Fahrt für Busse

Nach Ansicht von Wirtschaftsverbänden bedarf die Bahn keines besonderen Schutzes gegen den Streik. Verkehrsexperten fordern den Einsatz von Fernlinien-Bussen als Alternative zur Bahn.

BerlinAngesichts des Tarifstreit bei der Bahn und weiterhin drohender Lokführer-Streiks fordern Verkehrsexperten, Fernlinien-Busse als alternatives Transportmittel in Deutschland zuzulassen. "Mehr Wettbewerb im Verkehr durch Fernbusse würde einen Zugewinn an Mobilität bringen, und das tut einer Volkswirtschaft gut", sagte die Verkehrsexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, dem Tagesspiegel am Sonntag. "Wie wichtig das ist, zeigt sich gerade während eines Bahnstreiks."

Bislang ist die Bahn in Deutschland durch das Personenbeförderungsgesetz von 1934 weitgehend vor der Konkurrenz auf der Straße geschützt. "Ungesunden Wettbewerb" sollte die Vorschrift damals verhindern und die Wirtschaftlichkeit des Staatsmonopolisten Bahn sichern. Ein landesweites Fernlinen-Busnetz wie in Großbritannien, Irland oder den USA gibt es in Deutschland daher nicht.

"Der Kunde sollte sich sein Verkehrsmittel selbst aussuchen können", sagte auch Verkehrsfachmann Patrick Thiele vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dem Tagesspiegel. "Die Modalitäten der Erteilung von Konzessionen für Fernbuslinien müssen überdacht werden." Der Schutz für die Bahn sei unzeitgemäß, heißt es bei mehreren Wirtschaftsverbänden. "Dann müsste man streng genommen auch den Luftverkehr verbieten", sagt ein Verbandsvertreter.

"Eine Freigabe der Busse würde der Bahn aber auch grundsätzlich gut tun, sie müsste im Wettbewerb mehr für ihre Qualität tun", sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Horst Friedrich, dem Tagesspiegel. "Der Streik könnte ein Anlass sein, das Thema wieder ins Parlament zu bringen." Das Bundesverkehrsministerium verteidigte gegenüber dem Tagesspiegel den Schutz der Bahn. Ohne ihn entstünde zusätzlicher Verkehr auf den überfüllten Straßen. Die Bahn wollte sich nicht äußern. (Tsp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar