Tarifstreit bei der Bahn : Wahrscheinlich keine Streiks an Weihnachten

Gestern haben die Lokführer überraschend die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn abgebrochen. Heute um 14 Uhr will die GDL bekannt geben, wie es weiter geht. An den Feiertagen wird es aber wahrscheinlich keine Streiks geben.

Die "Bild"-Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe, dass an den Feiertagen keine Streiks drohen sollen. GDL-Sprecher Maik Brandenburger wollte dies im Gespräch mit tagesspiegel.de allerdings nicht bestätigen und verwies auf die heutige Pressekonferenz um 14 Uhr. Dann will die GDL über Einzelheiten der Verhandlungen informieren und bekannt geben, ob wieder gestreikt wird. Gestern waren die Verhandlungen ohne Angaben von Gründen abgebrochen worden. Die Gewerkschaft sprach bisher allerdings noch nicht von einem Scheitern.

Es geht mal wieder um den Tarifvertrag

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurden die Verhandlungen abgebrochen, weil die ihre wesentlichen Interessen gefährdet sieht. Außerdem soll es Differenzen in der Gewerkschaftsführung geben. Nach "SZ"-Informationen befürchtete die GDL, dass sie einen eigenen Tarifvertrag nur der Bezeichnung nach, nicht aber dem Wesen nach, bekommen sollte. Die GDL-Führung habe offenbar den Eindruck bekommen, sie solle in ein Korsett gezwungen werden, aus dem sie dann viele Jahre lang nicht mehr herauskommen würde.

Erst vor gut zwei Wochen, am 4. Dezember, hatten sich die Deutsche Bahn und GDL nach langwierigen Gesprächen und tagelangen Streiks auf die Fortsetzung von Tarifverhandlungen verständigt. Zuletzt hatten beide Seiten darüber gesprochen, was in einem gemeinsamen Basis-Tarifvertrag für alle Beschäftigten der Bahn geregelt wird und was die GDL in einem eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer aushandeln kann. Die GDL forderte zuletzt Einkommenszuwächse von mindestens zehn Prozent.

Die Bahn nannte den Abbruch der Gespräche völlig unverständlich. Konzernsprecher Oliver Schumacher sagt gestern: "Noch heute Mittag liefen die Verhandlungen sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch in einem vernünftigen Rahmen. Urplötzlich erklärte die GDL am frühen Nachmittag die Verhandlungen für beendet." Das sei "absolut nicht nachvollziehbar". Schumacher forderte die GDL und ihren Chef Manfred Schell auf, "das bisher Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen". (svo/dpa/AFP)

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