Wirtschaft : Tarifstreit bei MAN wieder offen

Unternehmen lehnt Angebot der IG Metall über längere Arbeitszeiten ab

Nicole Huss

München - Die Verhandlungen beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN über eine Verlängerung der Arbeitszeit drohen nach Angaben der IG Metall zu scheitern. Konkret geht es bei den Gesprächen um die drei Standorte der Druckmaschinensparte MAN Roland in Offenbach, Mainhausen und Geisenheim. Den Kompromissvorschlag der Gewerkschaft, die Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden zu erhöhen, habe die Arbeitgeberseite abgelehnt, teilte die IG Metall am Freitag in Offenbach mit.

MAN und der Arbeitgeberverband Hessenmetall hätten darüber hinaus gefordert, dass die 3700 Beschäftigten eine zusätzliche Stunde pro Woche über eine so genannte Wegezeitregelung opfern sollen. Dabei will der Konzern pro Mitarbeiter täglich zwölf Minuten Wegezeit von der Stechuhr bis zum Arbeitsplatz von der Arbeitszeit abziehen. Während die 300 Mitarbeiter des Werkes Offenbach dieser Zusatzregelung nach Angaben der IG Metall zugestimmt haben, lehnten sie die Beschäftigten der kleineren Standorte Mainhausen und Geisenheim ab.

„Wir sind mit diesem Trick, mit dem MAN noch eine Stunde mehr Arbeitszeit pro Woche herausschlagen will, nicht einverstanden“, sagte Peter Wich von der IG Metall Offenbach dem Tagesspiegel. Er halte es für möglich, dass die Verhandlungen daran scheitern werden. Das Verhalten von MAN lasse „die Vermutung aufkommen, dass das Scheinverhandlungen sind und der Konzern gar keine Lösung haben will“.

Ursprünglich hatte der Konzern gefordert, die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden zu erhöhen. Im Falle des Scheiterns der Verhandlungen hatte MAN-Chef Rudolf Rupprecht damit gedroht, das defizitäre Bogendruck-Geschäft in eine eigene GmbH auszugliedern und 700 Stellen abzubauen. MAN will im Druckmaschinengeschäft insgesamt 50 Millionen Euro Personalkosten einsparen. Die Sparte, die unter der Krise auf dem Werbe- und Anzeigenmarkt leidet, hatte dem Konzern 2003 einen Verlust von 38 Millionen Euro eingebracht.

„Bei dem Kompromiss auf die 38-Stunden-Woche würde MAN sehr nahe an das geplante Einsparpotenzial herankommen“, sagte Wich. Der Kompromissvorschlag sah vor, die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 38 Stunden auszuweiten, falls es die Auftragslage erfordere. Die zunächst nicht ausbezahlten Stunden sollten auf ein Sonderkonto gehen und bei guter Ertragslage in den Jahren 2007 und 2008 an die Mitarbeiter ausbezahlt werden. Zudem sollten die Beschäftigten auf die für 2005 geplante Tariferhöhung und auf einen Teil ihres Urlaubsgelds verzichten. Im Gegenzug hätte sich MAN verpflichten sollen, in den nächsten zwei Jahren auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und den Bogendruck nicht auszugliedern.

IG Metall und Betriebsräte sind mit diesem Kompromissvorschlag bereits sehr weit gegangen. Noch im Juli hatten sie sich gemeinsam mit anderen Druckmaschinen-Herstellern vehement gegen die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche gewehrt und derartige Kompromisse ausgeschlossen.

Ein MAN-Sprecher zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass es in den nächsten Tagen doch noch zu einer Einigung kommen werde. Er glaube nicht, „dass die Verhandlungen an solchen Details scheitern werden“. MAN verhandelt derzeit auch über eine Tariflösung für mehr als 5000 Mitarbeiter am Standort Augsburg in der Herstellung von Rollendruckmaschinen und Dieselmotoren.

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