Wirtschaft : Tarifstreit belastet Bündnis

BERLIN/BONN (ADN).Bei den festgefahrenen Metalltarifverhandlungen richten sich die Hoffnungen jetzt auf Berlin.IG Metall und DAG forderten am Vorabend der vierten Runde für die 100 000 Beschäftigten in Berlin-Brandenburg die Arbeitgeber zur Nachbesserung auf.Ein Durchbruch wird von den Berliner Gesprächen am heutigen Freitag dennoch nicht erwartet.Die Arbeitgeber haben zuletzt eine Erhöhung des Grundlohns um 2,3 Prozent angeboten.Außerdem offerieren sie weiterhin eine ertragsabhängige einmalige Sonderzahlung von einem halben Prozent des jährlichen Einkommens.Bei Warnstreiks legten nach Gewerkschaftsangaben am Donnerstag bundesweit rund 100 000 Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder.In Berlin beteiligten sich 200 Mitarbeiter des Rasierer-Herstellers Gillette.Am Freitag sollen die Warnstreiks in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Thüringen sowie in Berlin-Brandenburg weitergehen.

Die IG-Metall-Spitze hatte sich am Donnerstag über die leicht aufgestockte Offerte der Arbeitgeberseite vom Vortag enttäuscht gezeigt.Sie ließ aber zugleich den Willen zum Kompromiß erkennen.IG-Metall-Vizechef Jürgen Peters erklärte, Ziel sei es, einen regulären Streik abzuwenden und eine Lösung am Verhandlungstisch zu erreichen.Dazu müßte die Arbeitgeberseite ein neues Verhandlungsangebot unterbreiten.Der Verhandlungsführer der IG Metall für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, Klaus Mehrens, sagte im Saarländischen Rundfunk, er erwarte einen Tarifabschluß von mindestens vier Prozent mehr Lohn und Gehalt.Damit wurde von Gewerkschaftsseite erstmals eine konkrete Zahl bei der Suche nach Kompromissen genannt.

Vor dem Hintergrund des Tarifkonflikts sinken die Chancen auf ein Bündnis für Arbeit weiter.Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach am Donnerstag offen aus, daß er nicht mehr mit einer Einigung auf einen Beschäftigungspakt rechnet.Hauptgeschäftführer Ludolf von Wartenberg betonte im Saarländischen Rundfunk, der BDI würde zwar "auch gerne" zu einem Bündnis für Arbeit kommen.Zur Zeit sehe es aber "nicht danach aus".

Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) rief die Arbeitgeber zur Ordnung.Er betonte, ein harter Tarifkampf werde "mit Sicherheit" nicht das Aus für das Bündnis für Arbeit bedeuten.Auch der ÖTV-Vorsitzende Herbert Mai wies die Drohungen aus der Wirtschaft zurück, wegen möglicher Metall-Streiks aus dem Bündnis für Arbeit auszusteigen.Mai fügte hinzu, sollten sich die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst "genauso dahinschleppen" wie in der Metallindustrie, werde die ÖTV über gemeinsame Aktionen mit der IG Metall nachdenken.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben