Tarifstreit : Chaos an Europas Himmel trotz Streik-Ende

Im europäischen Luftverkehr herrscht trotz Aussetzung des Pilotenstreiks bei der Lufthansa weiterhin Chaos. Auch am Flughafen Berlin-Tegel kommt es zu zahlreichen Ausfällen.

Frankfurt/Main Während die deutsche Fluglinie nach einem Streiktag versuchte, ihr internationales Netzwerk wieder zu flicken, streikten in Griechenland und Frankreich die Fluglotsen, was erneut zu hunderten Flugausfällen führte. Am Montag hatte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den eigentlich auf vier Tage geplanten Streik von mehr als 4000 Lufthansa-Piloten in einem gerichtlichen Vergleich bis inklusive 8. März ausgesetzt.

Die Lufthansa flog am Dienstag weiterhin nach ihrem Notflugplan, der am ersten Tag nach dem Streik nur um vereinzelte Maschinen ergänzt wurde. Die zusätzlichen Flüge gab es laut Lufthansa vor allem auf den innerdeutschen "Rennstrecken" wie etwa Frankfurt-Hamburg oder Frankfurt-München. Ab Mittwoch werde der Flugplan schrittweise wieder hochgefahren. Ziel sei es, dass das Netz spätestens bis Freitag wieder zu hundert Prozent zur Verfügung stehe, erklärte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther im ZDF-"Morgenmagazin".

Die Lufthansa begründet das nur langsame Wiederanlaufen mit den komplizierten Abläufen im weltweiten Flugnetz. Weder Maschinen noch Besatzungen seien in vielen Fällen dort, wo sie laut Flugplan sein müssten. Ein großer Teil der Jets steht auf Parkpositionen an den Knotenpunkten Frankfurt und München. Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck daran, die Abläufe geordnet wieder hochzufahren.

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Die Lufthansa konnte von Berlin-Tegel auch am Dienstag nur 26 statt der regulären 70 Flüge anbieten, wie ein Sprecher der Fluggesellschaft sagte. Zusätzlich würden vereinzelt die Ziele Frankfurt am Main und München angeflogen. Am zweiten Berliner Flughafen in Schönefeld musste die Lufthansa-Tochter Germanwings am Dienstag zwei von drei Flügen streichen. Statt der regulären 17 sollten nur sechs Flugzeuge starten.

"Die Basis ist weiterhin der Sonderflugplan", sagte der Lufthansa-Sprecher. "Wir können nicht wie von Geisterhand einen Hebel umdrehen." Die Passagiere hätten sich auf einen Dauerstreik eingestellt.

In Tegel habe es am Montag "nur kleine Schlangen" gegeben, in denen die Passagiere maximal 45 Minuten hätten warten müssen. In den kommenden Tagen soll sich der Flugverkehr auf beiden Berliner Flughäfen schrittweise normalisieren. Ab Freitag wollen Lufthansa und Germanwings wieder nach dem regulären Plan fliegen.

In Hamburg fielen unterdessen rund 60 Prozent der Flüge aus. Zusätzliche Verbindungen gab es nach Frankfurt und München. Frankfurt als Hauptknotenpunkt der größten europäischen Fluggesellschaft war an dem Streiktag mit zahlreichen Lufthansa-Jets vollgelaufen. "Wir stehen reichlich voll", erklärte der Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, Jürgen Harrer. Die Maschinen sollten Stück für Stück wieder in Betrieb genommen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Großkunden Lufthansa funktioniere hervorragend.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) begrüßte die Wiederaufnahme der Verhandlungen, für die er sich am Wochenende eingesetzt hatte: "Ich wünsche mir jetzt und fordere die Tarifpartner dazu auf, dass es in den kommenden 14 Tagen zu einer nachhaltigen, gütlichen Einigung kommt und dass kein Flugzeug mehr am Boden bleibt", erklärte er in Berlin. Einen Termin für die Fortführung der Tarifverhandlungen für die Piloten gebe es noch nicht, teilten übereinstimmend Lufthansa und VC mit. Die Parteien wollen so schnell wie möglich über Gehälter, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherung für die rund 4500 Piloten im Konzern-Kern verhandeln.

Sämtliche Flüge an diesem Mittwoch von und nach Griechenland sind gestrichen. Der griechische Luftraum werde ab Mitternacht für 24 Stunden geschlossen bleiben, teilten die wichtigsten Fluglinien am Dienstag in Athen mit. Der Streik richtet sich gegen ein schmerzhaftes Sparprogramm der Regierung, die damit gegen die massive Staatsverschuldung ankämpft. Auch in Frankreich gibt es seit Dienstag massive Probleme im Luftverkehr.

Wegen eines Streiks der Fluglotsen sollte am Pariser Flughafen Orly jeder zweite und am Flughafen Charles de Gaulle jeder vierte Flug ausfallen. Die Fluglotsen protestieren gegen das Vorhaben, die Kontrollen von sechs europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Schweiz und Benelux) miteinander zu verschmelzen. Auf diese Weise sollen bis 2025 etwa ein Fünftel der Kosten für die Flugsicherheit eingespart werden. Ein entsprechender Vertrag soll Ende des Jahres unterzeichnet werden. (dpa/ddp)

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