Tarifstreit : Eigener Vertrag für Lokführer

Im seit Wochen schwelenden Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft der Lokführer GDL scheint sich ein Kompromiss anzubahnen. Bahnchef Mehdorn soll bereits am Donnerstag den Lokführern einen eigenen Vertrag angeboten haben.

Berlin  Bei einem Spitzengespräch zwischen der Gerwerkschaft der Lokführer und der Deutschen Bahn am Donnerstag sei vereinbart worden, "über einen eigenständigen Tarifvertrag zu verhandeln, der Arbeitszeit und Entgelt beinhaltet", so der stellvertretende GDL-Vorsitzende Claus Weselsky gegenüber dem Fernsehsender "N-TV". Die Bahn möchte unterdessen noch keine Auskünfte geben und verweist auf die nächste Runde am Montag.

Dabei könnte es zum Durchbruch kommen. "Ich rechne damit, dass uns die Bahn am Montag einen eigenständigen Tarifvertrag anbietet", sagte GDL-Chef Manfred Schell der "Bild am Sonntag". "Wenn dann noch ein ordentliches Gehaltsplus dabei ist, lassen wir unsere Forderung nach 31 Prozent mehr Lohn sofort fallen." Dann könne es eine schnelle Einigung geben - "ohne dass noch ein einziger Zug ausfallen muss". Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller drängt ebenfalls darauf, den seit Monaten schwelenden Konflikt rasch zu beenden: "Ich werde alles dafür tun, dass es zu einem vernünftigen Ergebnis kommt", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nach den Streiks am Freitag rollten die Züge heute wieder normal.

"Stellt sich Mehdorn auf stur, werden wir länger streiken"

In dem neuen Vertrag, den die Lokführer erhalten sollen, wird das Wort "Tarif" jedoch nicht auftauchen, berichtet das Magazin "Spiegel". So soll das Gesicht gewahrt werden. Allerdings solle dieser Vertrag für die Lokführer eigene Regelungen beinhalten, berichtete das Magazin unter Berufung auf einen Sitzungsteilnehmer. So werde darin etwa die Vergütung so genannter Leerstunden, die anfallen, wenn Lokführer am Zielort Aufenthalt haben, geregelt. Zu über 90 Prozent solle das Papier aber weiterhin deckungsgleich mit dem Tarifvertrag der übrigen Bahn-Mitarbeiter sein.

Für den Fall, dass die Mitglieder der GDL am Montag einen eigenen Vertrag bekommen, habe die Gewerkschaft zugesagt, für die weiteren Verhandlungen auf Streiks bis Ende Oktober zu verzichten. Falls die Lokführer jedoch keinen eigenen Vertrag erhalten, sollen bereits am Mittwoch wieder Züge stillstehen.

GDL-Vize Schell drohte in der "Bild am Sonntag" mit einer unbefristeten Fortsetzung des Arbeitskampfes, falls Bahnchef Hartmut Mehdorn der GDL nicht entgegenkommen sollte. "Stellt sich Mehdorn auf stur, werden wir länger streiken, als es dem Bahn-Vorstand lieb sein kann", sagte er. Der Arbeitskampf koste die Bahn schließlich viel mehr als die GDL. (mit AFP)  

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