Tarifstreit : Teure Lokführer: Bahn will Stellen streichen

Weil die Tarifeinigung mit der Lokführer-Gewerkschaft die Deutsche Bahn mehr kostet als erwartet, will das Unternehmen teurere Tickets und weniger Jobs - die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA kritisieren das Vorhaben Mehdorns.

BerlinDie Bahn hat als Konsequenz aus der weitgehenden Tarifeinigung mit der Lokführergewerkschaft GDL Stellenabbau und Preiserhöhungen angekündigt. Die zusätzlichen Belastungen müssten aufgefangen werden, sagte Vorstandschef Hartmut Mehdorn in Berlin. Es werde nun "sehr schnell" geprüft, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns wiederhergestellt werden könne. Konkrete Angaben zu geplanten Maßnahmen machte Mehdorn vorerst nicht. "Es wird uns gelingen, aber die Konsequenzen werden für uns bitter sein."

Auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen in "Billiglohngebiete" wolle der Konzern nutzen, erklärte Mehdorn. Schon jetzt lägen die Personalkosten der Mitbewerber bis zu 25 Prozent unter denen der Bahn, sagte Mehdorn weiter. Mit dem Tarifabschluss würden "also wettbewerbsfähige Arbeitsplätze bei der DB vernichtet mit allem, was da für die Beschäftigten dran hängt".

Die Bahn und die GDL hatten sich nach monatelangem Ringen am vergangenen Samstag bei einem Treffen im Bundesverkehrsministerium auf Eckpunkte eines Tarifvertrags geeinigt. Demnach bekommen die Lokführer 800 Euro Einmalzahlung sowie bei einer Laufzeit bis Ende Januar 2009 schrittweise elf Prozent mehr Geld. Zum 1. Februar 2009 soll dann die Wochenarbeitszeit bei gleicher Bezahlung um eine Stunde auf 40 Stunden gesenkt werden. Mehdorn sprach vor diesem Hintergrund von drohenden "zusätzlichen Belastungen in Milliardenhöhe über den Planungszeitraum der nächsten fünf Jahre", die aufzufangen seien.

Streiks nicht ausgeschlossen

Die größeren Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen den von Konzernchef Hartmut Mehdorn angekündigten Stellenabbau "mit allen Mitteln" verhindern. Dies schließe auch Streiks nicht aus, sagte ein Sprecher. Transnet-Vorstand Alexander Kirchner und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann kritisierten, es sei verantwortungslos, mit den Ängsten der Beschäftigten zu spielen nach dem Motto "Wenn Du mehr Geld willst, wirst Du Deinen Job los". Falls die Bahn den bis Ende 2010 laufenden Pakt zur Beschäftigungssicherung kündigen sollte, würden darauf "die passenden Antworten" gefunden. Für den 22. Januar geplante weitere Verhandlungen mit der Bahn seien nun belastet. (jvo/dpa)

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