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Tarifstreit : Verdi will Amazon-Streiks auch 2014 fortsetzen

Verdi und Amazon-Mitarbeiter setzen zwar auf die Weihnachtszeit, um ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag Nachdruck zu verleihen. Dass der US-Onlinehändler bis zum Jahresende einknickt, glauben sie indes nicht.

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Bereits den gesamten Sommer über, legten Mitarbeiter in Bad Hersfeld (Foto) und Leipzig immer mal wieder die Arbeit nieder. Foto: dpa
Bereits den gesamten Sommer über, legten Mitarbeiter in Bad Hersfeld (Foto) und Leipzig immer mal wieder die Arbeit nieder.Foto: dpa

Unterm Weihnachtsbaum könnten diesmal Geschenke fehlen: Am Wochenende hat die Gewerkschaft Verdi wieder Streiks beim US-Versandhändler Amazon angekündigt. "Hundertprozentig legen wir über Advent die Arbeit nieder", sagte der Verdi-Vertreter bei dem Online-Versandhändler in Bad Hersfeld, Heiner Reimann, dem Magazin "Focus".

Wann genau diese Streiks stattfinden sollen, wollen Gewerkschaftsvertreter aber nicht sagen. "Wir wollen Nadelstiche setzen", sagte Jörg Lauenroth-Mago, zuständig für das Versandzentrum in Leipzig, dem Tagesspiegel. Konkrete Termine werde man deshalb nicht nennen.

Lauenroth-Mago entschärfte die Aussage seines Hersfelder Kollegen Reimann. Dieser hatte als Ziel der Streiks in der Adventszeit ausgegeben, dass "Weihnachtspakete liegen bleiben". Die Belegschaft sei so motiviert, dass sie am liebsten "durchgehend bis Heiligabend streiken" würden. Lauenroth-Mago sagte, Verdi wolle die Weihnachtszeit als Streikzeit auch nicht überhöhen. Es sei unwahrscheinlich, dass Amazon bis zum Jahresende einknicken werde.

Zugleich bekräftigte Lauenroth-Mago den langen Atem der Streikenden. "Wir werden auch im kommenden Jahr streiken müssen - und das werden wir auch tun", betonte der Leipziger Verhandlungsführer.

Seit Monaten organisiert Verdi einen Arbeitskampf, um einen Tarifvertrag mit dem Versandhändler zu erzwingen. Nach Schätzung von Lauenroth-Mago verlassen täglich mehrere zehntausend Pakete das Leipziger Logistikzentrum. Verdi will für die bundesweit rund 9000 Amazon-Beschäftigten in den neun deutschen Versandzentren einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Versand- und Einzelhandels aushandeln.

Amazon Deutschland reagierte laut "Focus" gelassen auf die neuen Streikankündigungen. Das Unternehmen sei "gut vorbereitet". Bisher orientiert sich Amazon an den weniger günstigen Konditionen der Logistikbranche. Kürzlich hieß es in einer Mitteilung: "Mitarbeiter der deutschen Amazon-Logistikzentren liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist."

Der Konzern hatte im Oktober angekündigt, in den kommenden zwei Jahren drei neue Logistikzentren in Polen eröffnen zu wollen. Jedes von ihnen soll in Stoßzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft bis zu 3000 Menschen beschäftigen. Amazon hatte betont, es gehe nicht darum, Standorte von Deutschland nach Polen zu verlagern.

In der kommenden Woche eröffnet der Onlinehändler offiziell ein neues Logistikzentrum in Brieselang, westlich von Berlin. Die Streikbereitschaft dort dürfte jedoch eher gering sein, weil die Mitarbeiter dort zunächst befristet beschäftigt sind.

Am Wochenende nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer wöchentlichen Internet-Videobotschaft zum Online-Handel Stellung. Sie appellierte an die Anbieter, vertretbare Arbeitsbedingungen zu schaffen, die für die Beschäftigten akzeptabel seien. Merkel sprach sich dafür aus, dass möglichst viele Beschäftigte in der Branche nach Tarifverträgen bezahlt werden. (mit dpa)

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