Tarifverhandlungen : Bahn-Angebot trifft auf Verachtung

Das erste Angebot der Deutschen Bahn bei den Tarifverhandlungen ist bei den Gewerkschaften auf keine große Gegenliebe gestoßen. Die nannten es eine "Verhöhnung" und kündigten weitere Streiks an. Auch bei den Lokführern wird es wohl Ausstände geben.

Frankfurt/MainTrotz eines ersten Angebots der Deutschen Bahn an die Gewerkschaften könnte es schon am Wochenende zu ersten Warnstreiks kommen. Bei der zweiten Runde der Tarifverhandlungen lehnten die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA eine Lohnerhöhung von zwei Prozent ab. Dies sei eine "Verhöhnung der Beschäftigten", teilte die Gewerkschaften mit. Sie fordern sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Nach Auslaufen der Friedenspflicht ab Sonntag könnte es zu Warnstreiks kommen. Erwartet wird kommende Woche auch ein Streik der Lokführer, deren Gewerkschaft GDL einen eigenen Tarifvertrag fordert.

Die Deutsche Bahn bot den Gewerkschaften nach eigenen Angaben eine Lohnerhöhung von zwei Prozent ab Januar 2008 und weiteren zwei Prozent ab Juli 2009 an. Von Juli bis Dezember dieses Jahres sieht das Angebot eine Sonderzahlung von 300 Euro vor. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 30 Monaten haben. Bei den Gesprächen wurde auch eine mögliche Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden angesprochen. Es habe aber keine entsprechende Forderung gegeben, sagte ein Unternehmenssprecher.

Gewerkschaften wollen verhandeln

Bahn-Vorstandsmitglied Margret Suckale forderte die Gewerkschaften auf, sich zu bewegen. Mit den bundesweit höchsten Forderungen in der laufenden Tarifrunde würden sonst Arbeitsplätze vernichtet. Transnet und GDBA lehnten das Angebot als unzureichend ab. "Solche Almosen verhöhnen die Beschäftigten", erklärten die Gewerkschaftsvorsitzenden Alexander Kirchner und Heinz Fuhrmann. Die Arbeitgeber provozierten geradezu Streit. Die Gewerkschaften seien aber verhandlungsbereit.

Kirchner und Fuhrmann verwiesen ausdrücklich darauf, dass Ende Juni die Friedenspflicht ende. Transnet-Chef Norbert Hansen hatte schon im Vorfeld der Verhandlungen mit Streik gedroht. Nach Angaben eines Transnet-Sprechers ist aber noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob tatsächlich kommende Woche Warnstreiks beginnen.

Lokführer verhandeln separat

Auf Streik stehen dagegen die Zeichen bei den Lokführern. Die Gewerkschaft GDL ist an den Verhandlungen des Konzerns mit Transnet und GDBA nicht beteiligt, da sie einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter fordert. Dies lehnt die Bahn aber ab. Die GDL will ein Einstiegsgehalt für Lokführer von 2500 Euro durchsetzen, das wären rund 500 Euro mehr als bisher. Zugbegleiter sollen mindestens 2180 Euro verdienen, was 400 Euro mehr entspräche. Einschließlich Forderungen zur Arbeitszeit und Zulagen entspricht die GDL-Forderung je nach Tarifgruppe einem Plus von bis zu 31 Prozent.

Der Streik sei "praktisch nicht mehr abwendbar", sagte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell im ARD-Morgenmagazin. Bahn-Vorstandsmitglied Suckale kritisierte die Streikdrohungen der GDL als "völlig unverantwortlich". Die Gewerkschaft lehne alle Gesprächsangebote ab und versuche nun ohne Verhandlungen auf dem Rücken der Kunden, ihre Interessen durchzuboxen. (mit AFP)

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