Tarifverhandlungen : Bahn verhandelt wieder

Nur bis Freitag haben sie Zeit. Dann sollen die ersten wichtigen Vereinbarungen zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft unter Dach und Fach sein. Die GDL dämpft die Erwartungen.

Berlin - Ab dem heutigen Montag wollen beide Parteien wieder Verhandlungen aufnehmen, um im monatelangen Tarifstreit endlich voranzukommen. Doch zwischen dem Konzern und der GDL herrscht nur ein brüchiger Burgfriede.

Vergangenen Dienstag hatten sich Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn und der GDL-Vorsitzende Manfred Schell darauf geeinigt, wieder Tarifverhandlungen aufzunehmen. Das war der Minimalkonsens – er bedeutet nur, dass Streiks vorerst ausgesetzt sind. Denn die Annäherungen in den Verhandlungen waren überschaubar. Zwar sollen die Lokführer ihren eigenen Tarifvertrag bekommen, bei dem sie dann Lohn und Arbeitszeit verhandeln dürfen. Er muss sich aber in den Manteltarifvertrag einpassen, der für die übrigen Bahn-Berufsgruppen gelten soll, verlangt der Staatskonzern.

„Da ist noch genügend Zündstoff drin“, dämpft ein Bezirksvorsitzender der GDL die Erwartungen. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft hatte Ende der Woche auf einer Sitzung seine Marschrichtung für die Verhandlungen festgezurrt. Bahn und GDL wollen darin vor allem festlegen, welche Aspekte Teil des eigenständigen Tarifwerks für die Lokführer sein sollen. Die wichtigsten Fragen – zu Lohnhöhe und Arbeitszeit – sollen dann bis Ende Januar geklärt werden.

Wichtig für die GDL ist nun, dass sie die neuen Regeln für möglichst viele Berufsgruppen durchsetzen kann, um ihre Mitgliederbasis zu erweitern. „Wir wollen, dass Arbeitszeit und Lohnsteigerung der Lokführer auf das übrige Zugbegleitpersonal rübergeklappt wird“, hieß es. Hier müsse eine „Gleichbehandlung“ her. Auch sollen die Regeln nicht nur für die Lokführer im engeren Sinn gelten, sondern „für alle, die eine Berechtigung zum Führen einer Lok besitzen“. Also auch für das Personal, das vorwiegend im Bereich der Bahnhöfe arbeitet – Rangierlokführer oder Zugbereitsteller etwa. Insgesamt solle es aber nicht mehr so viel Getöse geben. „Es soll ja nicht der Eindruck entstehen, als gäben wir klein bei“, sagte ein Insider.

Die Bahn schweigt zu diesen Forderungen. Doch insgesamt hält sich der Optimismus in Grenzen. Der sonst notorisch optimistische Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte jüngst, er sei sich „nicht hundertprozentig sicher, dass wir erfolgreich sein werden“. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA sprachen von „gesunder Skepsis“. Auch offiziell will die GDL keine zu großen Erwartungen aufkommen lassen. „Wir wollen zwar nicht sofort wieder streiken“, sagte Gewerkschaftssprecherin Seibert. „Wenn wir aber bis Ende Januar nicht zu Potte kommen, können wir durchaus wieder zum Mittel des Arbeitskampfes greifen.“

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