Tarifverhandlungen : Experten warnen vor Abschlüssen über 3,5 Prozent

Für die Tarifrunde 2008 haben mehrere Wirtschaftsexperten Lohnerhöhungen von höchstens 3,5 Prozent empfohlen. Die Experten setzen außerdem eher auf flexible, also leistungsabhängige Komponenten in der Bezahlung.

BerlinHinzu könnten noch erfolgsabhängige Einmalzahlung kommen, heißt es in einem Bericht der "Welt am Sonntag". Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) halte für die Stahl- und die Chemie-Industrie plus 3 bis 3,5 Prozent für angemessen. Zu diesem dauerhaft festgeschriebenen Lohnzuwachs könnten erfolgreiche Firmen Boni zahlen. Laut Döhrn sollte die Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst 2,9 Prozent betragen. "Dies ist nach Jahren der Zurückhaltung wohl auch angemessen."

Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig-Georg Braun, sagte, ein Ende der Bescheidenheit könne allzu leicht ein Ende des Aufschwungs bedeuten. "Daher ist es wichtig, dass die Tarifparteien mit maßvollen Abschlüssen dazu beitragen, die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht zu beeinträchtigen", sagte Braun dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe).

Der Wirtschaftsexperte Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) empfiehlt nominal ebenfalls deutlich unter 3,5 Prozent für die Branche. Über alle Wirtschaftsbereiche sei bei Produktivitätszuwächsen von 1 bis 1,5 Prozent eine Nominallohnsteigerung von rund 3,5 Prozent zu verkraften, hieß es in dem Bericht. Wichtiger als die absolute Zahl seien aber flexible Komponenten. "Wir müssen die Beschäftigten immer mehr nach ihrer Leistung und dem Erfolg des Unternehmens bezahlen", sagt auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. Speziell der Öffentliche Dienst, der mit Privaten um Köpfe konkurriere, müsse Fachkräfte zudem mit Zulagen locken können.

Im Öffentlichen Dienst droht eine harte Tarifauseinandersetzung. Verdi und die dbb Tarifunion, die erstmals gemeinsam verhandeln, fordern acht Prozent mehr Einkommen oder einen Mindestbetrag von 200 Euro. Die Tarifverhandlungen für insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigte des Bundes und der Kommunen beginnen am 10. Januar in Potsdam. Die Arbeitgeberseite hat die Forderungen bereits als maßlos überzogen und existenzbedrohend zurückgewiesen. (mhz/dpa)

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