Wirtschaft : Tarifverhandlungen: Gute Aussichten für den Tarifabschluss

Alfons Frese

Seitdem die IG Metall für ihre Lohnforderung von 6,5 Prozent wirbt, hängt ein düsteres Szenario über der Tariflandschaft: Ein Arbeitskampf mitten in der Rezession, ein hoher Lohnabschluss, der die ersten Andeutungen einer Frühjahrskonjunktur abwürgt und die Chancen des Bundeskanzlers auf die Wiederwahl weiter reduziert; außer Edmund Stoiber kann das niemand wollen. Auch die Arbeitgeber nicht, die deshalb erstmal Entwarnung gegeben haben. Mit einem ordentlichen Angebot von zwei Prozent mehr Geld sind sie höher in die heiße Phase des Tarifpokers eingestiegen als erwartet worden war. Zwei Prozent - das liegt immerhin leicht über der erwarteten Produktivitätssteigerung und voraussichtlich auch über der Inflationsrate in diesem Jahr. Damit ist der Rahmen abgesteckt - hier die zwei, dort die 6,5 Prozent - in dem sich das Tarifspektakel in den kommenden Wochen abspielt. Doch es gibt gute Chancen, dass es erstens gar nicht so spektakulär und zäh wird und zweitens zu einem guten Ende führt. Denn trotz des Ballyhoos rund um die Verhandlungen ist das Bemühen um Sachlichkeit unübersehbar. Das hängt mit dem neuen Gesamtmetall-Präsidenten Martin Kannegiesser zusammen; ein bodenständiger Unternehmer aus Westfalen mit viel Erfahrung im Tarifgeschäft, der weiß, dass es ohne einen fairen Interessenausgleich nicht geht. Und das hängt auch mit der IG Metall-Spitze zusammen, die einen neuen Entgeltrahmentarif erreichen will, mit dem die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten aufgehoben wird. Das ist eine komplizierte Materie, bei deren Lösung ideologische Spiegelfechtereien nur stören. Schließlich will der für Tarifpolitik zuständige IG Metall-Vize Jürgen Peters Nachfolger von Klaus Zwickel werden will. Dazu braucht er eine Tarifrunde ohne viel Radau.

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