Wirtschaft : Tarifverhandlungen: IG Metall lehnt zwei Prozent mehr Lohn ab

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Die IG Metall hat das Lohnangebot der Arbeitgeber als "völlig indiskutabel" zurückgewiesen. Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Jürgen Peters sagte am Freitag, "wir werden uns nicht mit zwei Prozent abspeisen lassen". Die Arbeitgeber hatten zuvor bei den Tarifverhandlungen in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie rückwirkend zum 1. März diesen Jahres zwei Prozent und ab 1. März 2003 weitere zwei Prozent mehr Geld angeboten. Dagegen fordert die IG Metall eine Lohnerhöhung um 6,5 Prozent.

Der Stuttgarter Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Otmar Zwiebelhofer, begründete das Angebot mit der gesamtwirtschaftlichen Produktivität, die arbeitgeberseitig mit maximal zwei Prozent veranschlagt wird. Deshalb liege das Angebot an der "Obergrenze des Verteilungsspielraums". Zwiebelhofer verwies im Übrigen auf die labile Konjunktur, in der "die Unternehmen eine möglichst langfristige Kalkulationssicherheit benötigen". Deshalb forderten die Arbeitgeber einen längerfristigen Tarifabschluss von "mindestens 24 Monaten". Zwiebelhofers Gegenüber, der Stuttgarter IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber, bezeichnete den Vorschlag der Arbeitgeber als nicht annehmbar. Er enthalte keine Beteiligung am wirtschaftlichen Fortschritt. Außerdem seien die Erwartungen der Beschäftigten nach dem eher moderaten Abschluss 2001 sehr groß.

Der im IG-Metall-Vorstand für Tarifpolitik zuständige Jürgen Peters forderte die Arbeitgeber in einer Stellungnahme auf, in den nächsten zwei Wochen ein "deutlich verbessertes Angebot" vorzulegen. "Bewegt sich da bis zum Ende der Friedenspflicht nichts, werden die Arbeitnehmer ihren Forderungen nach Ostern mit Warnstreiks Nachdruck verleihen", kündigte Peters an. Die Voraussetzungen für "spürbare Lohn- und Gehaltserhöhungen" seien "günstig", da die Geschäfte in der Metall- und Elektroindustrie "nach wie vor gut laufen", meinte der IG-Metall-Vize. Am 25. März findet die nächste Tarifrunde in Stuttgart statt; am Karfreitag endet dann die Friedenspflicht, danach darf die IG Metall zu Warnstreiks aufrufen.

Die von den baden-württembergischen Arbeitgebern vorgelegten Vorschläge für einen neuen Entgeltrahmentarifvertrag (ERA), mit dem die Entgelte von Arbeitern und Angestellten angeglichen werden sollen, bezeichnete Peters als "interessant" und einen "Schritt in die richtige Richtung". Sowohl Arbeitgeber als auch IG Metall bewerten ERA als "das größte tarifpolitische Reformprojekt seit Jahrzehnten". Für die Gewerkschaft ist ein neues Tarifsystem "eine Gerechtigkeitsfrage, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit", wie Peters sagt. In den vergangenen Jahren seien die Anforderungen an die Arbeiter ständig gestiegen, die Entlohnung sei jedoch unverändert geblieben, moniert die IG Metall.

Im Wesentlichen geht es um die Angleichung der Arbeiterentgelte an die (höheren) Angestelltengehälter. Da niemand den Angestellten etwas wegnehmen will, kann die Erhöhung der Arbeitereinkommen nur sukzessive stattfinden, wenn die Betriebe nicht einen Kostenschub erfahren sollen. Das ist denn auch die Kernforderung der Arbeitgeber, die sich im Prinzip auch für ERA aussprechen: Es muss einen langfristigen Übergang geben, und den Unternehmen dürfen keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Für die Umstellung auf das neue System wollen die Arbeitgeber einen Stufenplan vereinbaren. Dabei wird der Abschluss eines ERA-Tarifvertrages bis spätestens zum 31. Dezember 2003 angestrebt. Dieser könne dann ein oder zwei Jahre später in Kraft treten. In den Betrieben solle der neue ERA spätestens sechs Jahre nach in Kraft treten eingeführt werden. Zwiebelhofer schlug für die Realisierung die Einführung eines betrieblichen Ausgleichskontos vor. Darauf solle ein jährlicher Einmalbetrag aus dem Erhöhungsvolumen der Jahre 2002 und 2003 eingezahlt werden.

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