Tarifverhandlungen : Warnstreiks bei der Bahn Anfang Juli

Die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn sind ohne Annnäherung vertagt worden. In Berlin protestierten rund 1000 Beschäftigte der Bahn-Zentrale.

Deutsche Bahn Foto: ddp
Die Bahn-Beschäftigten fordern mehr Geld.Foto: ddp

BerlinKurz vor Beginn der Ferienzeit müssen sich Bahnkunden auf Warnstreiks einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte Arbeitsniederlegungen in der ersten Juliwoche an. Grund ist die Weigerung der Deutschen Bahn, in der laufenden Tarifrunde für rund 134.000 Beschäftigte über einen gesonderten Vertrag für das Fahrpersonal zu verhandeln.

Mit einer Forderung von sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt gingen die größeren Bahngewerkschaften Transnet und GDBA in Berlin in die erste Verhandlungsrunde. Sie endete ohne Annäherung, die Gespräche wurden auf den 26. Juni in Frankfurt am Main vertagt. Vier Tage später, am 30. Juni, endet die Friedenspflicht.

Die Gewerkschaften zeigten sich enttäuscht darüber, dass die Arbeitgeber noch kein Angebot vorlegten. Angesichts von Rekordgewinnen sei das unverständlich. Der Konzern wolle sogar Teile des vorigen Einkommensabschlusses mit dieser Tarifrunde "vermengen", kritisierten Transnet und GDBA.

Proteste in Berlin

Vor der Bahn-Zentrale auf dem Potsdamer Platz in Berlin protestierten rund 1000 Mitarbeiter gegen die Haltung des Unternehmens. Der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen sprach von einer Unverschämtheit. Es lägen "Welten zwischen dem, was wir erwarten und was man uns heute vorgelegt hat". GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel sagte: "Das beste Konzernergebnis haben die Mitarbeiter eingefahren, und die wollen jetzt auch ihren Anteil haben." Bahnchef Hartmut Mehdorn nannte eine Einkommensverbesserung in der geforderten Höhe nicht akzeptabel.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell beharrte auf einem eigenen Vertrag für Lokführer, Zugbegeleiter und das Servicepersonal in den Zügen. Für diese Berufsgruppen will die GDL Einkommenssteigerungen von bis zu 30 Prozent durchsetzen. "Bisher bekommt ein Lokführer rund 1500 Euro netto im Monat. Das steht in keinem Verhältnis zu seiner verantwortungsvollen Arbeit im Schicht- und Wechseldienst", sagte Schell. Seit der Bahnreform 1994 habe das Fahrpersonal einen Reallohnverlust von 9,5 Prozent in Kauf nehmen müssen.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale nannte es von der GDL "unverantwortlich", mit Streiks zu drohen. "Wir haben auch der GDL Verhandlungen zur laufenden Entgeltrunde angeboten. Leider hat die GDL das Angebot abgelehnt." Die Bahn besteht auf dem Prinzip der Tarifeinheit, das heißt, sie will keinen Spartentarifvertrag abschließen. Von den 31 500 Angehörigen des Fahrpersonals sind nach Schätzungen etwa 40 Prozent in der GDL organisiert. (mit dpa)

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