Taschengeld : Minderjährige mit Milliarden

Kinder in Deutschland verfügen über mehr als sechs Milliarden Euro - Marken und Multimedia werden ihnen immer wichtiger.

Carsten Brönstrup

BerlinVon Mama und Papa kommen pro Monat 23,30 Euro Taschengeld. An Weihnachten oder zum Geburtstag legen die Eltern oder die Verwandtschaft als Geschenk noch einmal 76 Euro drauf, an Ostern immerhin 20. Ein Teil davon fließt aufs Sparkonto, dort haben sich mit der Zeit 662 Euro angesammelt. Unter dem Strich kommt einiges zusammen: Ein durchschnittliches Kind in Deutschland verfügt derzeit über 1114 Euro pro Jahr. Das ist nicht nur eine ansehnliche Summe, es sind auch fast elf Prozent mehr als vor zwei Jahren.

All das hat der Ehapa Egmont Verlag herausgefunden, der ansonsten Kinderzeitschriften und Mickey-Maus-Hefte herausgibt. Er hat 1631 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren samt Eltern über ihre Finanzen und ihre Vorlieben beim Einkaufen, Lesen, Essen und bei Freizeitaktivitäten befragt. Herausgekommen ist die Kids-Verbraucher-Analyse 2008, die der Verlag am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Sie ist nach den Worten von Ehapa-Manager Ralf Bauer repräsentativ für mehr als 5,7 Millionen deutsche Kinder. Der Verlag will mit diesen Zahlen seine Werbekunden beeindrucken – denn insgesamt besitzen die kleinen Konsumenten 6,38 Milliarden Euro. Einzige Einschränkung: Kinder ausländischer Eltern, mittlerweile in der Bundesrepublik eine Millionengruppe, kommen in der Studie nicht vor. Das sei bei derlei Befragungen üblich, befand Ehapa-Mann Bauer.

Die Kleinen sind seit Jahren eine wichtige Zielgruppe für die Wirtschaft, weil die Eltern ihnen beim Geldausgeben immer größere Freiräume zugestehen – und weil sie, wie die Großen, empfänglich sind für Statussymbole. Beim Kauf von Sportschuhen etwa legen der Umfrage zufolge 60 Prozent besonderen Wert auf die Marke. Auch bei Taschen, Ranzen und Rucksäcken, (55 Prozent), Bekleidung und Jeans (52), Schulsachen (48) und Handys (43) achten die Kinder auf die Logos namhafter Hersteller.

Mobile Kommunikation ist ohnehin für die meisten Normalität. Zwei von drei Kindern zwischen zehn und 13 Jahren besitzen bereits ein Mobiltelefon – vor fünf Jahren war es erst eins von dreien. Bei der Nutzung steht der Nachwuchs den Erwachsenen kaum nach: Im Jahr kommen im Schnitt Handykosten von 295 Euro zusammen.

Auch daheim sind die Kleinen mit Elektronik gut ausgerüstet: 40 Prozent haben eine Stereoanlage im Kinderzimmer, 35 Prozent besitzen einen MP3-Spieler, 33 Prozent einen Fernseher. Daneben gewinnt elektronisches Spielzeug an Bedeutung: 43 Prozent nennen ein Handspielgerät wie einen Gameboy ihr Eigen, 20 Prozent eine Spielekonsole. Puppen und Spielkästen würden von ihnen verdrängt, heißt es in der Studie. Bei den jüngeren Kindern zwischen sechs und neun dominiert noch klassisches Spielzeug – Gesellschaftsspiele, Puzzle, Plüschtiere, Playmobil. Zugleich sammeln sie Erfahrungen mit Computer und Internet: Ein Drittel dieser Altersklasse ist bereits online, bei den Älteren zwischen zehn und 13 sind es drei Viertel. Die meisten suchen Infos für Schule oder Freizeit, versuchen sich bei Online-Spielen, schreiben E-Mails oder nutzen Diskussionsforen (Chats).

Wem aber für Konsum und Internet das Geld fehlt, der bleibt außen vor, haben die Verlagsleute festgestellt. „Wir haben eine Kluft, die sich auftut“, sagte Bauer. Die Zuwendungen für Kinder aus wohlhabenden Familien wüchsen stark an – sie könnten daher auch häufiger Computer nutzen als die ärmeren.

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