Wirtschaft : Tatort New Economy

Kinowelt-Gründer Kölmel steht wegen des Vorwurfs der Untreue und des Betrugs vor Gericht

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München (nad). Fast ein Jahr nach der Verurteilung der HaffaBrüder muss sich nun wieder ein Unternehmer aus der ehemals bejubelten New Economy vor der Fünften Strafkammer des Münchner Landgerichts verantworten: Ab Mittwoch sitzt dort der Gründer des insolventen Filmrechtehändlers Kinowelt, Michael Kölmel, auf der Anklagebank. Sein Prozess dürfte noch langwieriger und komplizierter werden als der der EM.TV- Gründer, die nach einem halben Jahr zu hohen Geldstrafen verurteilt worden waren.

Die Staatsanwaltschaft wirft Kölmel in insgesamt 15 Fällen Untreue, Betrug und Insolvenzverschleppung bei seiner zweiten Firma Sportwelt vor. Im Fall Haffa umfasste die Anklageschrift 122 Seiten, bei Kinowelt sind es 343 Seiten. Das Landgericht hat bis Ende Juli 24 Verhandlungstage angesetzt. Dabei sollen zahlreiche Zeugen aus der Banken- und Filmszene vernommen werden. Nach Angaben von Staatsanwalt Markus Kammann beträgt der Schaden, den Kölmel angerichtet hat, rund 23 Millionen Euro.

Die Anklage beruft sich dabei auf millionenschwere Zahlungen der Kinowelt zu Kölmels Gunsten, zu denen es keine Gegenleistungen gegeben haben soll. Zudem soll Kölmel illegal Geld von der Kinowelt in seine Sportwelt-Beteiligungsgesellschaft geschleust haben – und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Insolvenz der Zweitfirma längst absehbar gewesen sei. Eine mehrjährige Haftstrafe für den 50-jährigen Unternehmer schließt die Anklage im Falle einer Verurteilung nicht aus.

Kölmel selber war vor Prozessbeginn für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er hatte zuletzt aber immer wieder seine Unschuld beteuert. Sein Argument: Wenn all die Vorwürfe stimmten, hätten ihm die Gläubigerbanken nicht den Rückkauf der Firma Kinowelt ermöglicht. Die Sparkasse Leipzig und die Bayerische Landesbank hatten Kölmel vor gut einem Jahr eine Neugründung der Ende 2001 Pleite gegangenen Kinowelt mit einem Millionenkredit ermöglicht. Seitdem lenkt Kölmel das 80 Mitarbeiter starke Geschäft von Leipzig aus – allerdings sind seine Pläne um einiges bescheidener als noch vor ein paar Jahren.

Nachdem Kölmel 1998 mit seiner Kinowelt an die Börse gegangen war, ging er exzessiv auf Einkaufstour. Neben dem Kerngeschäft mit Rechtehandel, Filmverleih, Videos und DVDs träumte der gebürtige Karlsruher von einem eigenen Fernsehsender, wollte sich die Bundesliga-Fernsehrechte sichern und Konkurrenten wie Kirch und RTL ausstechen. Dann verkalkulierte sich Kölmel im Poker um ein kostspieliges Filmpaket des US- Konzerns Time Warner, und Kinowelt machte 600 Millionen Euro Schulden.

Die Kinowelt-Aktie, die einst 57 Euro wert war, liegt nun bei etwa 30 Cent. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) begrüßt, dass der Fall Kölbel vor Gericht aufgearbeitet wird. Die Chancen, dass geprellte Anleger in späteren Prozessen Schadenersatz geltend machen können, hält er aber für „sehr gering“. Das habe sich bereits im Fall Haffa gezeigt.

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