Wirtschaft : Tausende Jobs bei Airbus in Gefahr

Ganze Werke könnten verkauft werden / Arbeitnehmervertreter kündigen für Freitag Proteste an

Nicole Huss

München – Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat des Flugzeugbauers Airbus wehren sich heftig gegen die Pläne der Konzernmutter EADS, Tausende Arbeitsplätze bei Airbus Deutschland zu streichen und ganze Werke zu verkaufen. „Wir werden nicht einfach zugucken, wie über unsere Köpfe hinweg über die Zukunft von Airbus entschieden wird“, sagte der Sprecher der IG Metall Bezirk Küste, Daniel Friedrich, dem Tagesspiegel am Dienstag. Deshalb hat die Gewerkschaft für diesen Freitag zu Protestkundgebungen an vier der sieben Airbus-Standorte aufgerufen. Dabei wollen sich auch die Ministerpräsidenten der jeweiligen Bundesländer für die Werke einsetzen.

„Bei Airbus werden Management-Probleme dazu benutzt, um die Struktur der Standorte in Gänze in Frage zu stellen“, sagte Friedrich. Das sei „völlig inakzeptabel“. Der Betriebsrat von Airbus Hamburg befürchtet, dass in Deutschland im Zuge des Einsparprogramms „Power 8“ bis zu 8000 der insgesamt 23 000 deutschen Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Werke im niedersächsischen Varel und in Nordenham sollen zum Verkauf stehen. Friedrich nannte es „betriebswirtschaftlich blödsinnig, Werke zu verkaufen, in die Airbus zuvor hohe Investitionen gesteckt hat“. Airbus wies dies als Spekulation zurück.

Wegen der Produktionsprobleme beim Großraumflugzeug A380 ist der einst profitable Flugzeughersteller so stark in die Verlustzone gerutscht, dass er EADS die Bilanz für das Jahr 2006 verhageln wird. Aus politischen Gründen hatte das europäische Gemeinschaftsunternehmen EADS die Produktion des A380 auf Standorte in ganz Europa verteilt, was nun erhebliche Planungs- und Logistikkosten zur Folge hat. Die geplante Neuorganisation von Airbus spaltet die Arbeitnehmerschaft in Deutschland und Frankreich, den Hauptstandorten von Airbus. Die Franzosen haben schon mit einer Studie für Aufregung gesorgt, wonach die französischen Standorte produktiver sein sollen als die deutschen. Mit seinem Restrukturierungsprogramm will Airbus bis 2010 fünf Milliarden Euro einsparen. Airbus- Sprecher Rolf Brandt sagte, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Ende Februar will Airbus-Chef Louis Gallois der Belegschaft sein Sparkonzept vorstellen.

Analysten halten die Sanierung für notwendig. „Die Arbeitsteilung bei Airbus ist alles andere als optimal“, sagte Stefan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg. Der Verkauf von Werken hätte laut Maichl große Vorteile für Airbus. Fungierten die Werke als unabhängige Zulieferer, könne Airbus die Währungsrisiken an sie abgeben. Airbus kämpft mit der Dollarschwäche: Die Flugzeuge werden in Dollar abgerechnet, die Personalkosten fallen aber im Euroraum an.

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