Wirtschaft : Tausende von Aktiencharts einfach per Knopfdruck

PETER JOBST (hb)

Wertpapiere elektronisch einfach und preiswert verwaltenVON PETER JOBST (hb)Der wichtigste Vorteil der elektronischen Wertpapierverwaltung und -analyse ist der große Datenbestand, der vorgehalten wird: Auf Knopfdruck kann sich der Anleger Charts von mehreren tausend Titeln ansehen, ebenso schnell erfolgen Auswertungen, und nicht zuletzt werden die gespeicherten Depotdaten stets in der Form aufbereitet, die der Anleger tatsächlich benötigt, etwa für die Steuererklärung.Die Grenzen sind jedoch dort gesetzt, wo Daten durch theoretische Analysen ersetzt werden: Eine Liste, die nach der aktuellen Dividendenrendite sortiert ist, bietet praktisch keinen Interpretationsspielraum.Hingegen kann sich ein Kaufsignal, das die Software auf Basis gleitender Durchschnitte errechnet hat, durchaus als zutreffend erweisen, es kann jedoch auch ein Fehlsignal sein.Gut beraten sind deshalb Anleger, wenn sie nicht blind auf die Softwaresignale vertrauen, sondern stets den Einzelwert überprüfen und dabei auch das Umfeld insbesondere die "Stimmung" an der Börse beachten.Teuer ist der Einstieg in die elektronische Wertpapieranalyse längst nicht mehr: Leistungsfähige Programme kosten oft weniger als 100 DM, selbst für umfangreiche Systeme werden selten wesentlich mehr als 1000 DM verlangt.Auch die Datenbankanbindung erfordert keinen hohen Kostenaufwand mehr: Zwischen 30 und 120 DM pro Monat berechnen die Datenbankbetreiber für die einmal tägliche Lieferung aktueller Börsenkurse von bis zu 15 000 Titeln, hinzu kommen meist relativ niedrige Telefongebühren zum Sitz der Datenbank wobei auch hier inzwischen die ersten Anbieter eine Alternative durch die Übertragung per Internet geschaffen haben.Teurer sind lediglich aktuelle Kurse: Will ein Anwender etwa die brandaktuellen Notierungen der Deutschen Terminbörse abrufen, um mit Optionen und Futures zu handeln, dann muß er monatlich zwischen 250 und über 500 DM für den Datenstrom aufwenden.Pluspunkt dabei jedoch: Die Übertragung erfolgt nicht mehr per Telefonleitung, sondern über Satellit.Hierzu sind ein Fernsehanschluß und ein spezieller Decoder erforderlich, der die empfangenen Daten in Börseninformationen umsetzt. Kein Thema sind mittlerweile die Kosten für historische Kursdaten und fundamentale Kennzahlen: Der Konkurrenzkampf der Datenbankbetreiber hat dafür gesorgt, daß diese Daten meist sogar kostenlos mit der Software mitgeliefert werden.Einen Preisverfall gab es auch bei den Tickermeldungen rund um die Börse: Diese kosteten vor einigen Jahren noch mindestens 100 DM pro Monat,werden heute aber schon für unter 40 DM pro Monat angeboten.Der Grund: Selbst die großen Nachrichtenagenturen wie dpa oder vwd verzichten bei ihren Internet-Angeboten mittlerweile auf einen Obolus, so daß auch die Datenbankbetreiber entsprechend günstig anbieten können. Heftige Debatten laufen derzeit um die Zukunft der Börsenprogramme.Einige Hersteller glauben, daß künstliche Intelligenz treffsichere Zukunftsprognosen ermöglicht.Hierzu wird der Computer mit den unterschiedlichsten Kennzahlen und Zeitreihen gespeist, um durch Vergleiche konkrete Aussagen zu erstellen.Dabei wird nicht mehr mit festen Vorgaben gearbeitet, nach denen z.B.eine Aktie dann kaufenswert ist, wenn ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis kleiner als zehn ist, vielmehr werden verschiedene Indikatoren miteinander kombiniert, mit dem Ziel, bestimmte Regelmäßigkeiten zu erkennen.Solche Analysen liefern oft erstaunlich treffsichere Prognosen, so daß selbst viele Kreditinstitute mit derartigen Programmen arbeiten.Kritiker weisen jedoch darauf hin, daß selbst das ausgefeilteste neuronale Netz niemals in der Lage sein wird, alle Einflußfaktoren zu berücksichtigen.Denn schließlich lebt die Börse von der "Psychologie der Anleger".Ist die Mehrzahl der Investoren positiv gestimmt, werden die Kurse selbst bei ungünstigen fundamentalen und charttechnischen Daten steigen.Sollte dann noch ein besonderes Ereignis eintreten, ein unerwarteter Wahlausgang oder eine neue Entwicklung in der Euro-Diskussion, sind die elektronischen Signale oft nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie gedruckt sind. PETER

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