Tausendundein DEAL (67) : Bei den Fischen schlafen

Tewe Pannier

Sicher haben Sie auch schon davon gehört oder gelesen: Das erste Unterwasserhotel der Welt soll – wo sonst – in Dubai gebaut werden! Direkt vor den Strand, jedes Zimmer für ein paar tausend Dollar die Nacht, inklusive der Fische vor dem Fenster. Erfinder ist ein Mann aus Potsdam. Joachim H. heißt er und wirkt wie einer, den man einen „seriösen älteren Herren“ nennt: Silberhaar, Goldrandbrille, sonore Stimme. „Es ist mein Lebenstraum“, erzählte er mir in dem Büro einer Werbeagentur der Media City in Dubai, „und ich bin sehr froh, dass Dubais Scheich die Chance erkannt hat, hiermit Geschichte zu machen.“

480 Millionen Dollar solle die Fertigstellung kosten, man habe schon die ersten Bohrungen am Meeresgrund unternommen. Seine Broschüren wirkten etwas, nun ja, amateurhaft, als hätte er sie selbst mit Tusche gemalt, eingescannt und ausgedruckt. Aber seine Leidenschaft überstrahlte die Qualität der Unterlagen: „Die Menschheit kann und wird den Ozean besiedeln!“

Er schickte mich zu seinem „Finanzmanager“, Herrn Martin S. Wir trafen uns in einem Beachclub, Herr S. schwäbelte stark und schnell: „Habe in Goldminen gemacht in Amerika.“ Ja, erwähnte ich ein Gerücht, dort könne er ja leider nicht mehr einreisen. „Ach, die Geschichte“, eine wegwerfende Handbewegung, „damit gehe ich ganz offen um. Das war der Rachefeldzug eines einzelnen Herrn. Der hatte eine Geliebte bei der Einwanderungsbehörde, die hat mich bei der Ausreise festnehmen lassen.“ Er werde die Sache bald erledigt haben mit Hilfe des Mannes, der ja auch schon den Waffenstillstand im Sudan und die Friedensverhandlungen zwischen Indien und den Separatisten in Kaschmir verhandelt habe. Der sei jetzt übrigens der Macher des Börsenganges zum Unterwasserhotel, und ob ich nicht für 50 000 englische Pfund Aktien kaufen wolle? „Was meinen Sie, wie der Kurs explodiert, wenn die Bauarbeiten beginnen“, lockte er.

Diese Gespräche führte ich vor einem Jahr. Die Bauarbeiten am Strand von Dubai haben bis heute nicht begonnen. Und der Herr H.? Neulich sagte mir einer, der ihn besser kennt: „Der ist jetzt in China. Mir schuldet er noch 2000 Dollar.“ Im Internet steht, im ostchinesischen Quindao soll das erste Unterwasserhotel der Welt entstehen – noch vor Beginn der Olympischen Spiele 2008.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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