Tausendundein DEAL (68) : Nichts wie weg

Tewe Pannier

Grillen auf der Terrasse? Vorbei. Sonnen am Strand? Gefährdet die Gesundheit. Tagesausflug in die Wüste? Lebensgefahr. Abendspaziergang im Basar? Bloß nicht! Leider, leider: Die Tage, an denen die Menschen in den Wüstenstaaten am Golf etwas draußen unternehmen konnten, sind nun endgültig vorbei. Der Sommer ist da. Und mit ihm die sengende Hitze, die brennende Sonne, die Temperaturen zwischen 42 und 52 Grad im Schatten.

Eigentlich will jetzt jeder weg, wenn nur jeder könnte.

Elie kann. Er ist inzwischen im Aufsichtsrat der von ihm gegründeten Werbeagentur und lässt seine Leute arbeiten. Wir treffen uns auf einem Empfang und ich rege ein Abendessen mit unseren Ehefrauen an. „Gerne“, sagt Elie, „lasst uns im September treffen, dann sind wir aus Europa wieder da“. Mein Geschäftspartner Dr. Khalid aus dem Osten Saudi Arabiens hat Ägypten gebucht: „Da ist es schön kühl. Meine sechs Kinder, meine Frau, mein Geschäftsführer und die beiden Hausangestellten kommen mit.“ Das Ganze sechs Wochen lang in einem Hotel mit fünf Sternen.

Nicht weg kommen die vielen Bauarbeiter, die auf drei Schichten verteilt 24 Stunden am Tag die Wolkenkratzer, Shoppingcenter und Hotelanlagen in den Wüstensand bauen. Sie haben nur alle zwei Jahre das Recht auf einen Heimflug nach Indien, Pakistan oder Sri Lanka. Aber – zumindest in Dubai – wird dieser Sommer für sie angenehmer: Unser gütiger Scheich hat verfügt, dass die Mittagsschicht jetzt eine Stunde länger Pause hat. Weil sich die Abfahrt von den oberen Stockwerken zeitlich nicht so richtig lohnt, bleiben viele einfach oben, ruhen auf dem Rohbeton, vor der Sonne von Pappe oder Baublech geschützt. Überall liegen sie auf den Baustellen, ihre Blaumänner wie Farbtupfer in der Mittagsglut.

Bei der Besichtigung der Stallungen eines pferdenarrigen Scheichs sind unsere Oberhemden nach drei Minuten klitschnass. Es ist ruhig hier: Der Whirlpool für die Pferde – unbenutzt. Das Laufband für die Trainingseinheiten steht still. Das Pferde-Schwimmbad hat kein Wasser. Auch viele der Boxen – jede so groß wie eine Einzimmerwohnung und mit Klimaanlage versehen – sind leer. Nur 40 der 200 Pferde, so der Stallbursche, der uns herumführt, hielten sich hier gerade auf. Wo denn die andern Tiere seien? „Es ist jetzt viel zu heiß für die richtig teuren Pferde. Darum sind die meisten verreist, ins kühle Europa.“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar