Tausendundein DEAL (69) : Der Stoff Geld

Tewe Pannier

Der Stoff, aus dem der Boom am Golf gemacht wird, ist nicht das Gas und nicht das Öl, das aus dem Wüstenboden quillt. Es ist nicht der Beton und nicht der Wüstensand, in den die Wolkenkratzer, Opern, Wohntürme und Villen gebaut werden. Es ist das Geld.

Das Geld der Vereinigten Arabischen Emirate ist der Dirham, jeder hat 100 Fils. Einen Dirham – ungefähr 20 Eurocent wert – nimmt die Parkuhr für eine Stunde. Für einen Dirham bekommt man eine Cola im Supermarkt oder einen Kaffee am Kiosk – und tatsächlich, auf der Rückseite der silbrigen Münze prangt das Symbol der arabischen Gastfreundschaft, die Kaffeekanne. In den Basaren und Kaffeeklappen der Arbeiter kostet der Kaffee nur noch 50 Fils. Die Münze mit diesem Wert ist eckig, auf der Rückseite sind deutlich drei Ölbohrtürme zu sehen. Die Scheine sind alle gleich groß aber jeweils in einer anderen Farbe gehalten. Der Hunderter rot, der Zehner grün. Auf allen Scheinen prangt ein stolzer Falke. Auf der Rückseite des 500ers das Bild einer prunkvollen Moschee.

30 000 Menschen strömen jeden Monat allein nach Dubai. Alle wollen Arbeit finden, Dirhams verdienen – und gleich wieder ausgeben. Die wachsende Zahl von Konsumenten aus aller Welt und die Milliarden Cash für Öl und Gas lassen den Muskel der Hochfinanz am Golf immer stärker werden. Die Scheichs kaufen weltweit Hotels, Anteile an Dow-Jones- oder Dax-Werten, Häfen, Fabriken, Gasfelder und Museen. Die führende Baugesellschaft Dubais hat gerade verkündet, 100 Einkaufscenter in Indien zu bauen. Seit neuestem juckt es die Zentralbanker der Emirate und Königreiche in den Fingern: „Warum nicht vom Dollar abkoppeln? Warum nicht unsere Dirhams aufwerten?“ Vor gut 40 Jahren noch war hier die indische Rupie das gesetzliche Zahlungsmittel, weil es kein eigenes Geld gab. Heute wird über eine Währung nachgedacht, die Dollar und Euro auf Augenhöhe begegnet.

Die Rückseite des leicht türkisfarbenen Zwanzig-Dirham-Scheins der Emirate trägt ein Symbol der neuen Zeit am Golf, der Zeit des Wohlstands: ein moderner Bau direkt am Creek, dem Meeresarm von Dubai. Er hat riesige Fenster, weiße Flügel aus Beton bilden das Dach. Es ist das Clubhaus des feinsten Golfplatzes der Stadt. Für 20 Dirham würde man da nicht mal ein Glas Bier bekommen.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben