Tausendundein DEAL (72) : Heiße Mode

Tewe Pannier

Da der Klimawandel kommt und dies der wohl letzte kühle Sommer in Berlin ist, wird es an der Zeit, sich auf das Leben mit der neuen Sommerhitze einzustellen. Wo kann der Berliner und Brandenburger das besser lernen als in den Wüstenstaaten am Golf? Hier leben die Menschen schon immer vier Monate pro Jahr mit Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad. Ein paar Tipps, die das Dasein in der Glut erträglicher machen: Suchen Sie sich ein Hobby, dem Sie in den eigenen vier Wänden nachgehen können, denn diese werden Sie am Wochenende kaum verlassen: Schon der Weg zum Auto bringt sie zum Kochen! Gut geeignet, weil kostengünstig, sind hierfür Schlafen oder Fernsehen. Wählen Sie ebenso einen Beruf, der sich drinnen ausüben lässt, wo die Klimaanlagen pusten.

Seien Sie standhaft gegenüber Wünschen von Besuchern aus kühleren Gegenden der Welt. Häufig seufzen die gleich nach der Ankunft: „Ach, wo kann man denn hier schön am Wasser draußen sitzen?!“ Die richtige Antwort: Nirgends! Es ist überall zu heiß! Auch am Meer (oder in ein paar Jahren an den Havelseen)! Die Standhaftigkeit erspart Ihnen die genervten Blicke der Kellner, die mit viel Aufwand einen Tisch auf der sonst menschenleeren Terrasse gedeckt haben, wenn der Besuch nach 15 Minuten sagt: „Puh, das ist mir zu heiß hier – lass uns reingehen!“

Investieren Sie Geld in Aktien von Mineralwasser-Firmen. Die Vereinigten Arabischen Emirate zum Beispiel haben davon den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch der Welt. Gucken Sie nie aufs Thermometer. Steht da eine fünf vorne, fühlt man sich gleich noch heißer. Eignen Sie sich die Bewegungsabläufe der Beduinen-Völker an. Die Männer etwa laufen sehr langsam, heben die Füße kaum und drehen auch den Kopf nur äußerst bedächtig. Das hat natürlich auch mit der Anti-Hitze-Kleidung zu tun: Große Schritte sind in den weißen, knöchellangen Gewändern, den Dischdaschas, nicht möglich. Wer die Füße hebt, könnte die offenen Sandalen verlieren. Und ruckartige Kopfbewegungen würden das weiße Kopftuch abwerfen. Das wär's vielleicht in ein paar Jahren: Dischdascha und weißes Kopftuch auf dem Ku’damm, Beduinen-Mode für den deutschen Mann!

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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