Tausendundein DEAL (73) : Im Namen des Propheten

Tewe Pannier

Mohammed, ein jordanischer Kollege aus der Werbebranche, reagiert mit einem großen Strahlen auf meine Frage nach seinem Befinden: „Mit geht es gut! Unser Sohn ist vorige Woche geboren worden, Allah sei Dank!“ Und dann sagt Mohammed feierlich: „Er wird Mohammed heißen, wie alle ersten Söhne in unserer Familie.“ Weil dem vollen Namen von Kindern häufig der Name des Vaters zugefügt wird, heißt das Neugeborene nun „Mohammed bin Mohammed“, Mohammed, Sohn des Mohammed. Mohammed ist der Name, den arabische Eltern ihren Söhnen am häufigsten geben. Sie ehren so den Träger, ist der doch nach dem Religionsgründer der Moslems benannt. Und sie ehren Mohammed selbst, der ja der Prophet Allahs ist.

Gab es in den ersten Monaten noch Verwechslungen, so trägt inzwischen jeder der vielen Mohammeds im Nummernspeicher meines Handys einen Beinamen: „Mohammed, mbc“ steht da zum Beispiel, weil dieser Mohammed bei dem gleichnamigen TV-Sender arbeitet. Bei einer Sitzung in seinem Sender erlebte ich meinen persönlichen Rekord: vier Mohammeds in einem Besprechungsraum! Auch in meinem Handy: „Mohammed, Syrer“, weil jener eben von dort kommt. Oder „Mohammed, Whg.“, weil er der Angestellte unserer Wohnungsverwaltung ist. Leider hatte ich einmal seine Durchwahl nicht parat – die Telefonzentrale musste bei drei gleichnamigen Kollegen klingeln, bis wir den Richtigen hatten. Die gleiche Übung bei den zahlreichen „Ahmeds“ im Handy, denn auch Ahmeds gibt es wie Sand in der Wüste – ist es doch die Kurzform von Mohammed. So können zwei Söhne nach dem Propheten benannt werden, ohne dass es beim Familienmahl zu Verwirrungen kommt. Kommen mehr als zwei Söhne, so gelten zum Beispiel auch noch Hamed, Mahmud und weitere Ableitungen des heiligen Namens.

Eine ganz neue Form lernte ich vor einigen Tagen kennen, als die Klimaanlage meines Autos ausfiel. Unter all den Mohammeds in meinem Handy suchte ich „Mohammed, Werkst.“, den Betreiber der Autowerkstatt. Seine Stimme krächzte am Telefon, er sei erkältet, sagte er: „Rufe meinen Bruder an, den kennst du aus der Garage, er kann helfen.“ – „Wie heißt Dein Bruder denn?“, fragte ich. Seine gekrächzte Antwort klang wie „Mohammed“. – „Wie bitte, ihr heißt beide Mohammed?“ – „Nein, mein Bruder heißt Mohanned“, sagte Mohammed, „fast wie ich, nur mit N!“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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