Tausendundein DEAL (77) : Trautes Heim, Problem allein!

Tewe Pannier

Kollegin Antoinette aus Manila ist ganz glücklich: „Wir haben eine neue Wohnung gefunden“, sagt die Sekretärin zur Begrüßung am Morgen im Büro. Wir? Das sind in ihrem Fall ihre Schwester, ihr Schwager, ihre Cousine und Antoinette selbst. Neue Wohnung? Das sind in diesem Fall zwei kleine Zimmer in einer Etage, auf der sieben andere Einwanderer von den Philippinen in kleinen Zimmern wohnen. Alle teilen sich Bad und Küche. Warum ist Antoinette dann so glücklich? „Weil wir vorher nur ein Zimmer hatten – und weil wir jetzt nur mit Landsleuten zusammen leben“, sagt sie, „es ist fast so schön wie zu Hause!“

Ein Zuhause in den Boom-Städten in der Wüste zu finden, wird für die kleinen und mittleren Angestellten immer schwerer. Zu viele Menschen drängen an den Golf, zu wenige Bauherren bauen für die Mittelklasse. So ist die Wohngemeinschaft für viele der einzige Weg. Maren, PR-Frau aus Warendorf in Westfalen, kam vor gut einem Jahr nach Dubai, und zieht mit ihrer kleinen WG (ein Schotte, eine Düsseldorferin, ein Hund) bald schon zum dritten Mal um. Erst wohnten Sie in einem „Altbau“ (zwölf Jahre alter Bungalow), leider funktionierte das Klo nicht richtig. Jetzt in einer „Villa“ (vier Zimmer, kleiner Garten mit Orangenbaum). „Unser Nachbar ist unser Vermieter“, erzählt sie, „vor einigen Monaten kam er vorbei und kündigte uns freundlich. Er wolle das Grundstück neu bebauen.“ Marens Schotte lud ihn schnell zum Grillen ein, der Vermieter verschob darauf die Kündigung. „Aber“, seufzt Maren, „vor ein paar Tagen klingelte er wieder an der Tür – diesmal müssen wir wirklich raus.“ Der Mieterschutz steht in den Emiraten, nun ja, am Anfang. Die Verträge gelten ein Jahr. Wer Glück hat, dessen Vermieter schöpft bei der Verlängerung die Höchstgrenze für eine Mieterhöhung nicht aus – unser Herrscher hat sie erst kürzlich auf 15 Prozent festgesetzt.

Auch die Besserverdienenden leiden. Zwar gibt es reichlich Villen und brandneue Appartements mit Meerblick. Die schlimme Angewohnheit der Vermieter, immer mehr Miete im Voraus zu kassieren, belastet aber das Konto stark. Waren vor zwei Jahren noch jeweils drei Monate vorab fällig, so ist es bei vielen Objekten jetzt schon die ganze Jahresmiete bei Vertragunterschrift. Im Boom macht aber auch damit jemand ein Geschäft, denn schon wirbt eine große Bank im Radio: „Wir finanzieren ihre Miete!“

Der Autor (46) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben