Tausendundein DEAL (80) : Das Elf-Nationen-Baby

Tewe Pannier

Der winzige Junge auf dem Rücksitz des alten Mercedes, der morgens um sechs durch Dubai donnert, sieht nicht den Mond, der über der Wüste versinkt. Er bemerkt nicht, dass sein Vater den Wagen mit hoher Geschwindigkeit über drei rote Ampeln lenkt, hört nicht die Hupe und nicht das Wimmern der Mutter. Der Junge weiß von all dem nichts, denn er ist noch gar nicht auf dieser Welt. Seine Mutter, den Jungen im Bauch, wimmert, weil er so plötzlich nach draußen drängt, acht Wochen zu früh.

400 Meter nach der letzten roten Ampel liegt das American Hospital im Morgengrauen. Die erste Nachricht, überbracht von Hebamme Christina aus Deutschland: „Sie kommen hier erst wieder raus mit Ihrem Sohn auf dem Arm. Aber das kann Tage dauern.“ Dann wird der Vater an die Kasse gebeten: Anzahlung für eine Geburt, umgerechnet 1700 Euro von der Kreditkarte.

Dafür gibt es von nun an die Vereinten Nationen der Geburtshilfe, Schicht für Schicht neue Gesichter. Hebamme Naas aus Trinidad rät mit karibischer Gelassenheit: „Folge einfach dem Fluss der Ereignisse!“ Kollegin Emily aus England erklärt: „Wenn du irgendetwas brauchst, rufe den Roomservice: Nummer 6604.“ Odette aus Malta beruhigt am zweiten Tag: „Das sind noch keine echten Wehen.“ Suresh aus Indien, der Mann vom Roomservice, bringt auf Geheiß immer wieder Softeis, Vanille-Schoko gemischt.

Am Nachmittag des dritten Tages kommen die Wehen alle zehn Minuten. He- bamme Kelly wendet australischen Humor an: „Keine Sorge, den hustest du einfach aus.“ Aber Narkosearzt Dr. Missouri aus dem Irak setzt trotzdem eine örtliche Betäubung. Dr. Leila übernimmt das Kommando im Kreißsaal wie eine Löwin in der Wüste Jordaniens – und als sie Modeschmuck und trendige Garderobe ablegt und im bordeauxfarbenen Arztkittel zurückkommt, wird es ernst. Die Hebamme der Stunde ist Sihem aus dem Libanon. Um 20.27 Uhr schreit der Junge das erste Mal das Leben in die Welt hinaus. Schwester Monika aus Südafrika fragt, ob wir schon einen Namen haben. „Mein Sohn heißt Fritz“, sagt die Mutter. Monika lächelt und sagt: „Ein guter Name für Dubai, dann weiß jedenfalls jeder, dass er aus Deutschland kommt!“

Der Autor (46) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben