Tausendundein DEAL (83) : Kai in der Wüste

Tewe Pannier

Kai Böcking, TV-Mann aus Deutschland, können 41 Grad im Schatten nicht bremsen. „Hallo, ich bin in Dubai“, sagt er am Telefon, „wir filmen eine Reportage. Morgen geht’s zur Drehortbesichtigung mit dem Fahrer in die Wüste, die höchsten Dünen suchen. Danach können wir uns zum Abendessen treffen.“ Ob es nicht riskant sei, mit nur einem Auto in die Wüste zu fahren? Wie wolle er da wieder raus, wenn etwas passiert? „Unser Fahrer hat elf Jahre Erfahrung. Er meint, ein Auto reicht.“

Im Hinterland der Boom-Metropolen des Persischen Golfs gibt es keinen Mischwald, keinen Baggersee, nur Wüste. So ist „Dune Bashing“ – übersetzt „Dünen-Kloppen“ – ein beliebtes Hobby der kleinen Jungs unter den großen Männern. Sie brauchen dafür einen starken, aber möglichst leichten Geländewagen (meist gehört er an den Wochentagen der Ehefrau), viel Wasser im Gepäck und eine Schaufel, falls die Räder im Sand stecken bleiben. Das Bestreben ist es, mit Vollgas hohe Dünen hinaufzubrettern und möglichst rasant wieder herunter. Mein Münchner Freund Wolfgang, seit zwei Jahren in Dubai, schwärmt nach jedem Wochenende etwa so: „Wir standen ganz schräg, wären fast abgerollt“, oder: „War wieder toll: Dem Jeep von meinem Kumpel hat’s die Radaufhängung zerrissen, seiner Frau wurde richtig schlecht!“

Am Abend warte ich im Restaurant länger auf Kai Böcking. Als er anruft, kann ich fast die Dunkelheit der Wüste am anderen Ende hören, seine Erschöpfung allemal: „Ich bin jetzt auf eine Düne geklettert, damit mein Telefon Empfang hat. Unser Fahrer ist stecken geblieben. Wir schaufeln seit Stunden. Jetzt hat er endlich ein zweites Auto gerufen. Wir treffen uns ein andermal.“

Der Autor (46) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben