Tausendundein DEAL (89) : Badelatschen und Krawatten

Tewe Pannier

Tewe Pannier,

ein Geschäftsmann aus Berlin, erzählt von Arabien

Es ist ein typischer Nachmittag in der Lobby des Fünf-Sterne-Hotels. Alle Kaffeetische sind besetzt, auf vielen liegen Unterlagen und Vertragsentwürfe. In der einen Ecke reden zwei Holländer auf drei Einheimische ein, die das weiße, traditionelle Gewand der Golf-Araber mit Kopftuch tragen. In der anderen sitzen vier Libanesen über einen Laptop gebeugt. Dazwischen zwei Engländer beim ersten Gin-Tonic. Vorne, am Kuchenbüfett, drei Damen aus Saudi-Arabien, ihre Körper in schwarze Abayas gehüllt. Zwei schieben den Gesichtsschleier immer nach oben, wenn sie Kuchen naschen oder Tee nippen. Für die Dritte ist es einfacher: Sie hat einen Klettverschluss am Schleier, „ratsch“ macht es vor dem Schluck, „ritsch“ danach. Die Libanesen, Engländer und Holländer tragen Anzug und Krawatte, wie all die anderen „westlichen“ Geschäftsmänner hier. Nur zwei deutsche Herren fallen aus dem Rahmen: ihre T-Shirts sind farbenfroh bedruckt, ihre kurzen Hosen sitzen knapp, und die Füße am Ende der haarigen Beine stecken in Badelatschen.

Für die meisten Besucher in Dubai geht es den ganzen Tag ums Geldverdienen – sie verkaufen Medien-Lizenzen oder machen Deals in „Oil & Gas“, entwickeln Wolkenkratzer oder buhlen um das Geld der Scheichs für Projekte in der Heimat. Aber immer werden sie an einen anderen großen Wirtschaftszweig der Stadt erinnert: die Fremdenverkehrsindustrie. Denn die Pauschaltouristen haben selten Anzüge oder Business-Kostüme im Gepäck und führen ihre sonnenverbrannten Rücken wie Trophäen in ärmellosen Hemden spazieren, schleppen die Plastiktüten mit Souvenirs in Edel-Restaurants zum Lunch, schreiben kurzbehost Postkarten, wo andere Finanzpläne entwerfen. Fatal, wenn die Strandgarderobe in die Geschäftswelt getragen wird. Florian, Marketing-Mann aus Hamburg, erscheint in wadenlangen Hosen, Turnschuhen und T-Shirt zur Präsentation. Es ist sein letzter Termin beim Scheich, seine weiteren Anrufe bleiben unbeantwortet.

Am Abend hört das fröhliche Garderoben-Nebeneinander ohnehin auf. Am Eingang der Restaurants und Bars zeigt das Personal diskret aber bestimmt auf nackte Zehen in Sandalen: „Tut mir leid, der Herr – mit offenen Schuhen ist hier kein Einlass!“

Der Autor (46) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

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