Tausendundein DEAL : Die Woche der Arbeitnehmer

Tewe Pannier

Die meisten Menschen in Dubai glauben fest, dass der liebe Gott, also Allah, unsere Geschicke lenkt. So mancher vertraut auf die Kraft Buddhas und die Wirkung der Natur in allem. Die vielen Hindus wiederum haben einen Gott für jede Gelegenheit und jede Lage. Welche höhere Macht auch immer in der vorigen Woche Schicksal gespielt hat, sie tat es arbeitnehmerfreundlich.

Am Sonntag vor einer Woche, die Arbeitswoche war gerade einmal ein paar Stunden alt, kamen die ersten Gerüchte: George W. Bush besucht morgen Dubai, alle großen Straßen werden gesperrt. Wie also ins Büro kommen – die Schnellbahn ist ja erst im nächsten Jahr fertig? Gegen 15 Uhr gibt es auf den Fluren der Betriebe nur noch dieses Thema, an ordentliche Arbeit ist nicht zu denken.

Um 16 Uhr löst der Gastgeber des amerikanischen Präsidenten das Problem mit einem Federstrich: Scheich Mohammed, Herrscher von Dubai, erklärt den Montag kurzerhand zum öffentlichen Feiertag. „Happy George-Bush-Day“, rufen sich die Angestellten auf dem Weg nach Hause zu. Am Montagmorgen ist Dubai eine Geisterstadt: Die 18-spurigen Autobahnen sind leer, Restaurants und Cafés bleiben zu. Nur einsame Polizeiautos brausen über die Highways, Hubschrauber umknattern die Wolkenkratzer.

Und noch etwas ist sehr ungewöhnlich: Dicke Wolken hängen am Himmel. Am Abend – Bush hat sich von Scheich Mohammed dessen Lieblingsfalken zeigen lassen und ist auf dem Weg in die saudi-arabische Hauptstadt Riad – kommt der Regen. Es regnet die ganze Nacht und den frühen Morgen. Für diese Mengen ist die Kanalisation in der Wüste nicht gebaut.

Am Dienstagmorgen meldet der Verkehrsfunk „Teiche“ auf den Autobahnen, das Wasser strömt in die Tiefgaragen, und die Arbeitnehmer rufen in ihren Büros an: „Ich komme nicht durch, ich muss zu Hause bleiben!“ Es regnet weiter, die Teiche werden zu Seen. Am Mittwoch ruft schon gar keiner mehr an im Büro, sondern bleibt einfach zu Hause. Am Donnerstag, dem letzten Tag der Woche, ist an Arbeit nicht zu denken. In den Fluren und vor den Kaffeemaschinen gibt es nämlich nur ein Gesprächsthema: „Was für eine Woche!“

Der Autor (46) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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