Wirtschaft : Tauziehen um die Tariffonds

DÜSSELDORF (pt/HB).Bei dem geplanten Tariffonds für die Rente ab 60 Jahren dürfen die Lasten nach Ansicht des neuen IG-Metall-Vizevorsitzenden Jürgen Peters nicht allein den Beschäftigten aufgebürdet werden.Auch die IG Medien besteht auf einer Beteiligung der Unternehmen.Gegenüber der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" sprach sich Peters am Rande des IG Metall-Kongresses dafür aus, auch die Arbeitgeber und die Arbeitsverwaltung an den Kosten des Modells zu beteiligen.Schließlich würden sie auch davon profitieren.IG Medien-Sprecher Hermann Zoller meinte, es könne doch nicht sein, das Rationalisierung, Arbeitsplatzabbau und Verjüngung der Belegschaft durch die Unternehmen noch durch Beitragsfreiheit prämiert werde.

Bundesarbeitsminister Riester hatte dagegen zugesichert, die Arbeitnehmer würden den Tariffonds alleine durch Lohnverzicht finanzieren.Der Bundesverband der Deutschen Industrie und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hatten nicht zuletzt deshalb ihre Gesprächsbereitschaft über ein neues Frührentenmodell bekundet.Dagegen blieben die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) bei ihrer ablehnenden Haltung.Die Debatte bei der ersten Gesprächsrunde über ein Bündnis für Arbeit könnte daher in der nächsten Woche vorrangig um die Frage geführt werden, wer alles in den Fonds einzahlen muß.

Noch ist auch nicht klar, ob nur die heute Frührentenberechtigten vom Tariffonds profitieren sollen.Würden alle 60 bis 65-Jährigen in den nächsten fünf Jahren wieder mit 60 in Renten gehen, wären stagnierende oder sogar sinkende Renten und Nettoeinkommen die Folge.Doch auch bei einer kleinen Lösung wüchse der Druck auf die Rentenbeitragssätze.

Dies geht aus einer Modellrechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor.Auf 180 bis 195 Mrd.DM rechnet es die Zusatzbelastung der Löhne hoch.Bei Einführung der Rente mit 60 hätten auf einen Schlag 900 000 Menschen einen entsprechenden Anspruch, die bereits in diesem Jahr zwischen 60 und 65 Jahre alt sind.In den folgenden fünf Jahren stiege die Zahl der 60-jährigen Kandidaten von derzeit 200 000 auf 300 000.In einem ersten Schub würde die neue Frühverrentungswelle zu Zusatzbelastungen von 52 bis 57 Mrd.DM führen.Bezogen auf die Anspruchsberechtigten für 1998 ergebe sich also eine Belastung der Bruttolohn- und -gehaltssumme von 3,4 Prozent, aus der sowohl der Tariffonds als auch die höheren Rentenbeiträge finanziert werden müßten.Danach wären es pro Jahr und verrentetem Jahrgang 1,6 Prozent.Um diese Prozentsätze würden sich die verfügbaren Einkommen der Arbeitnehmer und in der Folge auch die Renten vermindern, da ihre Entwicklung seit 1992 an die Nettoeinkommen gekoppelt ist.Bei einem Verzicht auf die Tariffonds-Rente würde das geltende Recht dagegen zu einer schrittweisen Entlastung der Rentenkassen und damit auch der Lohnkosten führen.2010 wäre nach Ablauf aller Übergangsfristen ein einheitliches Rentenalter von 65 erreicht.

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