Wirtschaft : Tchibo-Erben kaufen sich bei Puma ein

Geschwister Herz erwerben 17 Prozent an dem Sportartikel-Hersteller und streben nun die Mehrheit an/Analysten reagieren positiv

Nicole Huss

München - Die Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz sind über ihre Mayfair Vermögensverwaltungsgesellschaft beim fränkischen Sportartikel-Hersteller Puma eingestiegen. Mit einem Anteil von knapp 17 Prozent wird das Geschwisterpaar zum größten Einzelaktionär des Konzerns. Kreise der Familie Herz sagten dem Handelsblatt, die Geschwister wollten die Mehrheit übernehmen. Analysten werteten den Anteilskauf als Vertrauensbeweis in die Unternehmensstrategie von Puma. Die Puma-Aktie profitierte am Dienstag von ihrem neuen Investor und stieg um 3,7 Prozent auf 189,37 Euro.

„Wir begrüßen die getätigten Investitionen in unser Unternehmen, vor allem in Hinblick auf die strategische Weiterentwicklung von Puma“, sagte auch Puma-Chef Jochen Zeitz am Dienstag in Herzogenaurach. Nach Angaben des Sportartikel-Herstellers hat Mayfair einen Teil der Anteile bereits vor einer Woche in mehreren Aktienpaketen übernommen. Der Übernahme von weiteren knapp zehn Prozent müsse das Kartellamt noch zustimmen. Mit Schwierigkeiten seitens der Kartellbehörden rechnen Puma und Mayfair aber nicht. Laut Puma ist Mayfair jetzt größter Einzelaktionär. Bisher war dies die US-Investmentgesellschaft Fidelity, die etwas weniger als fünf Prozent der Anteile hält.

Mayfair hat nach eigenen Angaben rund 500 Millionen Euro für den Kauf von 2,82 Millionen Puma-Aktien bezahlt. In der Hamburger Vermögensverwaltungsgesellschaft haben die Geschwister Herz nach ihrem Ausstieg bei Tchibo vor zwei Jahren ihre Anteile von rund vier Milliarden Euro gebündelt. Der Erwerb erfolgte am 2. Mai und ausschließlich aus vorhandenen Barmitteln, hieß es aus dem Umfeld der Familie.

Welche Ziele die Herz-Geschwister mit ihrem Investment verfolgen, wollten sie gestern nicht sagen. Es gab auch keine offizielle Bestätigung für eine geplante Mehrheitsübernahme. Familiensprecher Hinrich Stahl: „Wir halten Puma für ein gutes Unternehmen mit einer stark weiterentwicklungsfähigen Marke. Ob die Familie Herz die Mehrheit an Puma halten will, kann ich nicht sagen.“

Mayfair investiert in Immobilien, Finanzanlagen und unternehmerische Beteiligungen. Der Einstieg bei Puma ist die erste größere Unternehmens-Beteiligung von Mayfair. Zuvor war bereits über einen Einstieg der Herz-Geschwister bei den Konzernen Beiersdorf, TUI und Karstadt-Quelle spekuliert worden.

„Puma ist ein sehr dynamisches Unternehmen mit einer sehr guten Marke und einem exzellenten Management“, begründete Mayfair-Geschäftsführer Rainer Kutzner den Einstieg der Herz-Geschwister. Ob die Beteiligung künftig aufgestockt werde, könne man noch nicht sagen. Das Investment bei Puma sei langfristig angelegt. Kutzner betonte, dass Mayfair keinen Einfluss auf das strategische Geschäft von Puma nehmen wolle.

Analysten begrüßten den Einstieg der Tchibo-Erben bei Puma. „Es ist ein gutes Signal, wenn ein Investor so viel Geld für die Beteiligung an einem Unternehmen in die Hand nimmt“, sagte Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz dem Tagesspiegel. Der Einstieg von Mayfair stärke die Stellung von Puma am Aktienmarkt. Er zeige, dass die neuen Großaktionäre darauf vertrauten, dass Puma seine Margen nachhaltig steigern könne. „Ein Einstieg zu diesem Zeitpunkt ist gut, weil Puma weiter wächst und an der Börse immer noch unterbewertet ist“, findet auch Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe.

Skeptiker fürchten, dass der Boom für Lifestyle-Mode bald zu Ende gehen und Puma mit seiner Ausrichtung auf das Modesegment in die Krise ziehen könnte. Analyst Schindler sieht auch einen Nachteil im Kauf der Anteile durch die Herz-Geschwister: Der Aufstieg in den Aktienindex Dax sei mit dem Einstieg eines Großaktionärs vom Tisch, da sich der Streubesitz nun deutlich reduziere. Neben der Höhe des Börsenumsatzes ist die Höhe der Marktkapitalisierung des Streubesitzes das entscheidende Kriterium für eine Aufnahme in den Dax. mit HB

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