Wirtschaft : Tchibo kommt bei Zukäufen nicht zum Zug

Kaffeekonzern wirft Finanzinvestoren Preistreiberei bei Übernahmen vor / Expansion in Osteuropa

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Hamburg - Trotz gut gefüllter Kassen will der Hamburger Kaffee- und Kosmetikkonzern Tchibo nicht im großen Stil expandieren. „Wir haben vor allem bei der Tochter Beiersdorf keine großen Zukäufe geplant. Was an Angeboten auf den Tisch kommt, ist einfach zu teuer“, sagte Dieter Ammer, Vorstandschef der Tchibo Holding und zugleich Aufsichtsratschef bei Beiersdorf. Als Grund für die Zurückhaltung nannte er die Konkurrenz durch Finanzinvestoren. Sie seien bereit, für Übernahmekandidaten deutlich mehr zu zahlen als strategische Interessenten.

Damit dämpfte der Tchibo-Chef die Hoffnungen vieler Börsianer, dass der Kosmetikkonzern (Nivea, Hansaplast) mittelfristig durch eine milliardenschwere Übernahme kräftig wächst. Sie hatten immer wieder gefordert, dass Beiersdorf seine defensive Investitionspolitik aufgeben solle. Der Aktienkurs von Beiersdorf sank deshalb am Montag kräftig um 3,2 Prozent und notierte am Nachmittag bei 111,20 Euro.

Die Tchibo Holding steht auf zwei Standbeinen: Sie ist mit 50,46 Prozent an Beiersdorf beteiligt und hält alle Anteile an der Tchibo GmbH, die unter anderem mit Kaffee und Gebrauchsartikeln handelt. Beiersdorf verfügt nach eigenen Angaben über eine Kriegskasse von rund drei Milliarden Euro.

Auch im Kaffeegeschäft setzt Ammer auf organisches Wachstum. So plant er, weitere Filialen insbesondere in Osteuropa sowie Großbritannien zu eröffnen. Damit will Ammer die Abhängigkeit vom Inlandsmarkt weiter abbauen. Denn die Tchibo GmbH erzielt rund 78 Prozent des Umsatzes von rund vier Milliarden Euro in Deutschland. Hier verschärft sich aber der Wettbewerb durch Discounter wie Lidl oder Aldi.

Für 2006 hofft Ammer ungeachtet der Einzelhandelsflaute, dass Umsatz und Ertrag weiter wachsen. „Beim Umsatz rechnen wir mit einem Zuwachs in der Größenordnung der vergangenen Jahre“, sagte Ammer. Der Umsatz war 2005 um sechs Prozent auf 8,8 Milliarden Euro gestiegen, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) kletterte um 13 Prozent auf 868 Millionen Euro. Damit legte die operative Umsatzrendite von 9,2 auf 9,9 Prozent zu. HB

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