Wirtschaft : Tchibo will weitere Versicherungen anbieten

HB

Der Hamburger Kaffee- und Handelskonzern Tchibo will durch eine enge Kooperation mit der Kölner Axa neben der "Tchibo-Zuschuss-Rente" weitere Versicherungen anbieten. Neben der so genannten Riester-Rente, die derzeit in den rund 800 Tchibo-Filialen angeboten werde, sollen im ersten Halbjahr 2002 weitere Offerten folgen, kündigte Tchibo-Vorstandsmitglied Stephan Swinka am Montag in Köln an. "Die Tchiboisierung der Welt wird mit Axa auch auf den Dienstleistungsbereich ausgedehnt."

In den Tchibo-Filialen werden Antragsformulare für die Zusatz-Rente mit einer em-pfohlenen Beitragshöhe zwischen 25 Euro und 40,59 Euro (zwischen 48,90 und 79,39 Mark) ausgelegt. Weitere Informationen können die Tchibo-Kunden durch eine Hotline in einem Axa-Call-Center bekommen. Hausbesuche bei den Kunden sind hingegen nicht vorgesehen. Dies würde die Kosten in die Höhe treiben.

"Jeder macht das, was er kann. Wir haben guten Zugang zu den Kunden, die Vertrauen in Tchibo haben. Axa hat die Kompetenz im Bereich Versicherungen", sagte Tchibo-Vorstandsmitglied Swinka. Welche weiteren Versicherungs-Angebote kommen sollen, wollte er nicht sagen. Tchibo erzielte im Konzernfeld Kaffee im Jahr 2000 einen Umsatz von rund 5,5 Milliarden Mark (2,81 Milliarden Euro). "Die Umsätze in den Feldern Non-Food und Kaffee sind ungefähr in der Größenordnung gleichbedeutend", sagte Swinka.

Swinka betonte, das Tchibo-Angebot sei für die Kunden vorteilhaft, weil die Kosten niedrig seien. Es fielen nur sieben Prozent des Gesamtbeitrags an Kosten an, bei den drei anderen Axa-Riester-Policen seien es acht Prozent bis 11 Prozent. Bei den Konkurrenten liege der Kostensatz nach aktuellen Berechnungen der Bewertungsagentur Morgen & Morgen noch höher, bei Victoria und Hamburg-Mannheimer je 13 Prozent, Allianz 14 Prozent und Provinzial Kiel 17 Prozent.

Die "Tchibo-Zusatz-Rente" sei ein innovatives Sonderprodukt, das nicht auf dem Discountpreis-Niveau anzusiedeln sei, sagte Axa-Vertriebsvorstand Rolf Richter. "Der Vertriebskanal - so skurril er auf den ersten Blick anmutet - ist wunderbar", sagte Richter. "Wenn wir es nicht gemacht hätten, dann wäre ein anderer Versicherer zum Zuge gekommen." Swinka hatte zuvor bestätigt, dass Tchibo zwischen verschiedenen namhaften Versicherern hätte wählen können. "Wir haben keine Gespräche mit Tchibo geführt", heißt es bei Victoria und Allianz. Der Branchenführer beobachtet die Entwicklung beim Konkurrenten Axa allerdings aufmerksam: "Die Allianz schließt für die Zukunft keinen Vertriebsweg aus", sagte ein Sprecher auf Anfrage. "Am Ende entscheidet der Kunde über den Erfolg".

Verbraucherschützer haben das Angebot von Tchibo und Axa inzwischen abgemahnt. Bei der "Röster-Rente" fehlten die gesetzlich vorgeschriebenen Hinweise zur Zertifizierung der Altersabsicherung, erklärte der Verbraucher-Bundesverband vzbv am Montag in Berlin. Diese Hinweise seien in den Faltblättern mit Antragsformular nicht zu finden. Die Abmahnung sei Tchibo und der Axa Lebensversicherungs-AG als Partner am Freitag zugegangen. Werde das Angebot nicht nachgebessert, werde der Verband dies einklagen.

Unterdessen erneuerten die Verbraucherschützer ihre allgemeine Warnung. Altersvorsorge könne nicht beim Kaffeekauf erledigt werden, erklärte der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Thomas Bieler. Er gehe davon aus, dass die Künden das Angebot nicht annehmen werden. Dafür sei das Thema zu sensibel. Hedwig Telkamp von der Verbraucherzentrale München erklärt, Altersvorsorge sei ein sehr komplexes und beratungsintensives Gebiet. Ganz unterschiedliche Aspekte müssten berücksichtigt werden. Dies könne ein solcher Vertrieb sicherlich nicht leisten. "Höchstens zur Information" würde sie eine Tchibo-Broschüre mitnehmen - und das Angebot dann zu Hause vergleichen.

Der Geschäftsführer des Bundes der Versicherten Hans Dieter Meyer wurde noch deutlicher: "Tchibo missbraucht das Vertrauen der Kunden und führt diese in die Irre - hin zu falschen Angeboten."

Versicherungsexperten und Verbraucherschützer mahnen die potenziellen Kunden zu Geduld und Gelassenheit. Verläßliche Tests über die Qualität der angebotenen Produkte, die Grundlage für die Vergleichbarkeit der Verträge sein könnten, gebe es erst im Laufe des Jahres, lautet eine der Warnungen. Wer zudem jetzt vorschnell einen Vertrag abschließe, müsse mit hohen Kosten rechnen, wenn er später den Anbieter wechseln wolle, sagt Hans-Peter Schwintowski von der Berliner Humboldt-Universität. Zudem erhält der Vorsorgesparer die Förderung immer für ein abgelaufenes Sparjahr. Um sich die volle Förderung für das laufende Jahr zu sichern, reicht es also aus, wenn der Vertrag im Dezember 2002 beginnt.

Bisher erscheinen sich die Verbraucher die Warnungen zu Herzen genommen zu haben. Die Victoria-Versicherung berichtet von bisher "nur" 175 000 abgeschlossenen Verträgen. Allianz Leben kommt bisher auf gut 320 000 Neuabschlüsse für die Förderrente, hatte aber mit rund 400 000 Verträgen gerechnet.

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