Wirtschaft : Teamarbeit für neue Arbeitsplätze

Wirtschaftsminister Clement beruft „Profis der Nation“ und folgt damit einem Vorschlag der Hartz-Kommission

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Berlin (alf). Mit der „größten sozialen Bewegung, die es bislang in Deutschland gegeben hat“ will die Bundesregierung die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) stellte am Montag in Berlin die Initiative „Teamarbeit für Deutschland vor“, mit der ein Netzwerk von Beschäftigungsprojekten geknüpft werden soll. Inklusive der so genannten stillen Reserve „reden wir über sechs bis sieben Millionen Arbeitslose bei 38 Millionen Beschäftigten, wir müssen also etwas zuwege bringen“, sagte Clement. Mit der Initiative setzt die Bundesregierung die Idee der „Profis der Nation“ um, die im Rahmen der HartzKommission im vergangenen Jahr entwickelt worden war. Deshalb war auch VW-Personalvorstand Peter Hartz ins Wirtschaftsministerium gekommen, um mit Clement den Auftakt der „Roadshow“ für die bundesweite Kampagne vorzustellen.

Hartz erinnerte daran, dass die Kommission im vergangenen Jahr rund sechs Millionen „Multiplikatoren“ in der Gesellschaft identifiziert habe. Dazu zählten Wissenschaftler, Lehrer, Arbeitgeber, Künstler, Vereinsmitglieder und viele andere mehr. Wenn etwa jeder der 550000 Vereine eine Patenschaft für die Vermittlung eines Arbeitslosen übernehme, dann sei schon viel gewonnen. „Es sind die Arbeitslosen von uns allen“, sagte der VW-Manager. Das von ihm selbst gesteckte Ziel, die Halbierung der Arbeitslosigkeit binnen weniger Jahre, sei „nach wie vor erreichbar“.

Florian Gerster, Vorstandsvorsitzender der Bundesanstalt für Arbeit, sieht die Arbeitslosenzahl im nächsten Winter wahrscheinlich nicht auf fünf Millionen steigen. Selbst bei einer stagnierenden Wirtschaft „gibt es die Chance, dass wir diese magische Zahl nicht erreichen“, sagte Gerster bei der Auftaktveranstaltung Teamarbeit. Anwesend waren ferner der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, Gunther Thielen, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, sowie einige Vertreter von Beschäftigungsinitiativen. Schmoldt und Thielen vertraten die „Initiative für Beschäftigung“, die vor fünf Jahren von BASF, Bertelsmann und der IG BCE gegründet worden war. Inzwischen umfasst diese Initiative 19 regionale Netzwerke mit rund 400 teilnehmenden Unternehmen; nach Angaben Thielens sind 5000 Arbeitsplätze entstanden.

Für das neue Projekt „Teamarbeit für Deutschland“ stehen in diesem Jahr zehn Millionen Euro zur Verfügung, die zum großen Teil für eine Werbekampagne ausgegeben werden. Angelegt ist die Initiative auf drei Jahre, „in denen Deutschland verändert werden soll“, sagte Clement. Im Mittelpunkt werden Aktionstage in 50 Regionen oder Städten stehen. Der Auftakt ist am 27./28. Juni in Saarlouis, es folgt Eisenhüttenstadt (15./16. August). In Saarlouis sollen es Joblotsen geben, die Jugendlichen helfen, eine Lehrstelle zu finden; Spitzensportler übernehmen Job-Patenschaften und Business-Angels geben Jungunternehmern Starthilfe. Bürger sollen Lösungen für Arbeitsmarktprobleme vorstellen oder Menschen mit besonders großem Engagement vorschlagen. Am Ende der zwei Aktionstage wählt dann eine Jury die besten Ideen aus. „Teamarbeit für Deutschland“ soll sich dann darum kümmern, dass zur Realisierung der Ideen Paten, Kooperationspartner oder sonstwie passende Unterstützer gefunden werden. Unter der Adresse www.teamarbeit-fuer.deutschland.de werden die Ideen ins Internet gestellt.

Bei allen Aktionen und Projekten setzen wir „auf einen Schneeballeffekt, der ganz Deutschland erfasst“, sagte Clement. Nach und nach soll ein Handbuch entstehen, in dem alle Ideen und Projekte zusammengefasst sind, die sich dem Abbau der Arbeitslosigkeit widmen. Das Wirtschaftsministerium richtet ein Redaktionsbüro ein, das „gute Beispiele bekannt macht, Erfolgsgeschichten zeigt und Initiativen vernetzt“. Schließlich soll eine Werbekampagne in den Medien um weitere Unterstützer werben. Clement lobte in dem Zusammenhang den Berliner Unternehmer Hans Wall. Dessen Firma stellt der Initiative 20000 Plakatflächen unentgeltlich zur Verfügung. Darauf soll für die Ich AG geworben werden, mit deren Hilfe Clement eine „neue Kultur der Selbständigkeit“ erreichen will.

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