Wirtschaft : Technik ist nicht alles

Sebastian Meyer zeichnet Prototypen auf Papier.

Melanie Hofmann

Der Anfang des neuen Jahres ist Hochsaison für Sportmuffel und Wiedereinsteiger, die sich nach den kalorienreichen Feiertagen mehr um ihren Körper kümmern wollen. Damit könnte es auch zur Hochsaison für Sebastian Meyer und seine Kommilitonen werden. Denn ihre Fitness-App will genau ihnen das Training leichter machen.

In Smartphones sind so viele Sensoren verbaut, dass ein Gerät fast jede Bewegung des Körpers nachvollziehen kann. Auf diesem Prinzip beruht das Konzept der App: Der Nutzer macht Sportübungen nach, die das Programm vorgibt und bekommt dank Sensorüberwachung direkt eine Rückmeldung, ob er das auch richtig macht.

Die Idee Realität werden zu lassen war zumindest technisch für Sebastian Meyer ein Kinderspiel. Er hat IT-Systems-Engineering am Hasso-Plattner-Institut (HPI) der Universität Potsdam studiert und macht dort gerade seinen Master. Die Idee mit der App kam ihm und seinen Kommilitonen bei einem Zukunftswettbewerb von Microsoft, an dem sie teilgenommen haben. Dort haben sie die Idee für das kleine Smartphone-Programm entwickelt - und dieses gleich mit ihrem Start-up Ideas4Life umgesetzt.

Wie man Apps programmiert hat sich der 23-Jährige in seiner Freizeit selbst beigebracht. Auf dem Lehrplan der Uni steht das selbst an einer technisch versierten Hochschule wie dem HPI nicht. Allerdings gibt es Studentenklubs, die sich damit beschäftigen. Für Meyer war wichtiger, dass er an der Uni gelernt hat, methodisch zu denken. „Um so eine Idee in eine App umzuwandeln, muss man ja erst mal genau wissen, wer seine Zielgruppe ist und welche Bedürfnisse die hat“, sagt er.

Er findet es spannend, nicht einfach irgendetwas zu programmieren, sondern sich auch zu überlegen, warum und für wen er das tut. „Es macht keinen Sinn, direkt loszuprogrammieren, wenn man die Bedürfnisse seiner Nutzer gar nicht verstanden hat“, sagt Meyer. Sonst verschwende man viel Energie für Funktionen, die keiner braucht. Meyer und seine beiden Mitgründer haben den Prototypen erst einmal auf Papier entwickelt und in Tests herausgefunden, wie die Idee bei den Nutzern ankommt. „Programmieren ist das Handwerkszeug, und ich denke, im Start-up wirklich ein kleinerer Teil der Arbeit“, sagt er. Auch das Design stammt aus Meyers Feder. „Kaum ein Start-up kann es sich leisten, direkt einen Designer anzustellen“, sagt er. Darin sieht er aber kein Problem: Er ist von den Designkompetenzen in seinem Team überzeugt.

Erst spät kommt die eigentliche Programmierphase, in der Meyer etwa 80 Prozent seiner Zeit vorm Computer sitzt. Das Gründerteam hat zunächst eine App für Windows-Geräte entwickelt. Das hat vor allem praktische Gründe: Microsoft hat sehr gute Entwicklerwerkzeuge wie Visual Studio und Blend zur Verfügung gestellt und unterstützt Start-ups zudem mit kostenlosen Lizenzen. Langfristig soll die App aber auch für andere Smartphones mit Android-System sowie für Apple-Geräte entwickelt werden.

Die App steht gerade vor einem wichtigen Schritt: Die erste Version mit den Kernfunktionen ist programmiert und kommt demnächst in die App-Stores. „Dann werden wir sehen, wie die Leute damit umgehen, wie sie mit der Bedienung klarkommen und wie oft sie die App nutzen.“ Getan ist es damit aber nicht: Verbessern und Weiterentwickeln gehört dazu. Melanie Hofmann (HB)

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