Technologie : Biotechfirmen wollen mehr Freiheit

Der Verband der Biotechnologiefirmen setzt auf die schwarz-gelbe Regierung, eine liberalere Gen-Politik und Steuererleichterungen.

Rolf Obertreis
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Steigender Umsatz. Die Biotechbranche ist aus dem Gröbsten raus, glaubt der Verband. Bis Ende 2009 sollen die Erlöse der...dpa-Zentralbild

Frankfurt am Main - Die rund 500 Biotechnologiefirmen in Deutschland erhoffen sich von der künftigen schwarz-gelben Bundesregierung mehr Unterstützung, vor allem im Blick auf die grüne Gentechnologie und auf steuerliche Erleichterungen. Nach den Worten von Stefan Marcinowski, dem Vorsitzenden der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), sollten künftig nicht mehr politische Kriterien, sondern allein wissenschaftliche Belege über Chancen und Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen entscheiden. Hier überwögen eindeutig die Chancen, sagte der DIB-Chef am Montag in Frankfurt am Main.

Doch die Krise ist auch an den Biotech-Firmen nicht spurlos vorbei gegangen. Der Umsatz werde 2009 niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr, als knapp 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet wurden, hieß es am Montag.

Mittlerweile sei immerhin die Talsohle durchschritten, und die Umsätze legten zum Ende des Jahres wieder leicht zu, sagte Marcinowski, im Hauptberuf Vorstandsmitglied bei BASF. „Die Biotechnologie erweist sich robuster als andere Branchen.“ Die Insolvenzen seien auch in der Krise nicht gestiegen, die Anzahl der Firmen sei seit fünf Jahren weitgehend stabil. Von einer Kreditklemme sei bei den Unternehmen ebenfalls nichts zu spüren.

Doch befürchtet der DIB-Chef Rückschläge, wenn sich die Haltung gegenüber der grünen Gentechnologie nicht ändere. „Die Rahmenbedingungen in der EU sind weiter sehr unbefriedigend. Die Pflanzenbiotechnologie wächst weltweit seit mehr als einer Dekade dynamisch, wird aber in Europa und in Deutschland politisch blockiert und diskreditiert“, klagte Marcinowski. Dabei biete sie große Chancen. Wenn man etwa die Verwendung von Biomasse vorantreiben wolle, um Alternativen für Rohstoffe und Energie zu erschließen, müsse man auch auf gentechnisch veränderte Pflanzen setzen können. Ohne Pflanzen mit maßgeschneiderten Eigenschaften werde man nicht vorankommen, sagte der DIB-Chef.

Er forderte darüber hinaus auch ein steuerliches Entgegenkommen der neuen Bundesregierung, weil die Unternehmen zum Beispiel immer mehr Probleme hätten, an privates Risikokapital heranzukommen. Dieser größte finanzielle Stützpfeiler der Biotechbranche sei seit 2005 um 50 Prozent eingebrochen. Zur Entlastung dringt der Branchenverband darauf, dass künftig mindestens zehn Prozent der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von der Steuerschuld abgezogen werden dürften.

Daneben fordert Marcinowski, die seit Anfang 2008 geltenden Beschränkungen für die Anrechnung von Verlustvorträgen und für Zinsaufwendungen wieder zurückzunehmen. Bei einem Wechsel des Mehrheitseigentümers gehen die Verlustvorträge verloren, und Zinsaufwendungen können die Unternehmen derzeit nur bis zu einer Höhe von 30 Prozent als Aufwand ansetzen. Rolf Obertreis

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