Wirtschaft : Technologie-Export: Transrapid-Konsortium baut auf Folgeaufträge

fmk

Anfang 2003 verbindet ein Transrapid den Flughafen der chinesischen Stadt Shanghai und deren U-Bahn. Die Stadt und Vertreter von Siemens und Thyssen-Krupp unterzeichneten am Dienstag den Vertrag. Zwei Monate zäher Verhandlungen haben zu dem Abschluss geführt, den die Bundesregierung mit politischer Unterstützung und einem Zuschuss von 200 Millionen Mark begünstigt hat. Die Industrie kann mit dem Projekt deutsche Hochtechnologie demonstrieren und hofft auf Folgeaufträge, der Wirtschaftsregion Shanghai hilft es bei der Entwicklung ihrer Infrastruktur.

Die Kosten von über 2,5 Milliarden Mark tragen überwiegend die chinesischen Betreiber. Die Bundesregierung schießt 200 Millionen Mark zu. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die Verhandlungen durch einen Brief an den chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji und ein Telefonat am Montag unterstützt.

Chinesische Unternehmen bauen den Fahrweg, das deutsche Transrapid-Konsortium liefert das Betriebssystem, die Steuertechnik und die Züge. Da China keine Erfahrung mit hochpräzisem Betonbau hat, werden deutsche Mittelständler als Berater eingesetzt. Dabei entfallen etwa zwei Milliarden auf Betriebssystem und Wagen und ein Betrag unter einer Milliarde Mark, der noch nicht genau feststeht, auf die technische Hilfe bei der Trasse. Das Transrapid-Konsortium und die Mittelständler teilen sich Bundesbeihilfen und erhalten je rund 100 Millionen Mark. "Mehr wird das die Bundesregierung nicht kosten", sagte Peter Wiegelmann vom Transrapid-Konsortium am Dienstag dem Tagesspiegel. "Und das Geld kommt letztlich durch die Betriebserfahrung den deutschen Strecken zugute." Der Bund wird auch keine weitere Unterstützung in Form zinsbegünstigter Kredite gewähren. In den vergangenen 30 Jahren hat die Bundesregierung den Transrapid mit insgesamt 2,35 Milliarden Mark gefördert.

"Profitieren wird der Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Transrapid ist eine der wenigen Technologien, bei denen wir führend sind", sagte Wiegelmann. Der Firmenverbund von Siemens und Thyssen-Krupp erhielt den Zuschlag, nachdem das konkurrierende japanische Konsortium Maglev vorzeitig ausgestiegen war, da seine Technik noch nicht ausgereift war. Zur Vertragsunterzeichnung reisten am Dienstag unter anderem die chinesischen Vizeminister für Außenhandel, Wissenschaft und Technologie sowie Eisenbahn aus Peking an. China versucht, seine rückständige Infrastruktur auf den Stand eines modernen Industrielands zu bringen, seit 1998 läuft ein Programm, das insgesamt 963 Milliarden Dollar in diesen Bereich pumpt. Die nur 33 Kilomenter oder sieben Minuten lange Strecke dient so auch als Referenzprojekt für den weiteren Ausbau der Bahnverbindungen in China. Dringend nötig ist eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Peking und der zweitgrößten Stadt Shanghai. Falls dieser Auftrag ebenfalls an das deutsche Transrapid-Konsortium geht, winkt ein Auftrag von rund 40 Milliarden Mark.

Der Bundesverband Deutscher Industrie erklärte, das Projekt mache "den Weg frei für die Nutzung einer Spitzentechnologie, die deutscher Erfindergeist - gefördert durch die Bundesregierung - vorangetrieben hat" und nannte den Vertragsabschluss ein "großartiges Signal". Bayern und Nordrhein-Westfalen sollten jetzt nicht zurückstehen. Eine ganz andere Sicht vertrat Albert Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag: "Das eigentliche Ziel ist nicht, diese Technik um jeden Preis irgendwo einzusetzen, sondern ein Infrastrukturproblem zu lösen." Es profitierten die Fahrgäste im Schwellenland China. Die Zuschüsse kämen teilweise aus der Entwicklungshilfe.

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