Technologie : Siemens verkauft 100 Züge nach China

Ab durch die Mitte: Deutschlands größter Technologiekonzern verkauft weitere 100 Hochgeschwindigkeitszüge nach China. Die Lieferung des ICE-Nachfolgers wird Siemens rund 750 Millionen Euro in die Taschen spülen.

Kevin P. Hoffmann
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ICE auf chinesisch. Siemens baut den CRH 3 mit Partnern aus China. Elektronik und Fahrwerk kommen aus Deutschland. Foto: promo

BerlinEr macht 350 Stundenkilometer in der Spitze, befördert bis zu 1060 Passagiere in 16 Wagen. Mit 400 Metern Länge wird der CRH 3 der „weltweit längste Einzelzug im Hochgeschwindindigkeitsverkehr“ sein, teilte Deutschlands größter Technologiekonzern Siemens am Freitag mit.

Technikfreunde genießen derartige Superlative aus der Verkehrswelt stets mit Vorsicht – denn es gibt wohl kaum einen Bahnhersteller, der nicht von sich behaupten würde, den längsten oder schnellsten Zug der Welt im Sortiment zu haben. Tatsache aber ist, dass der zuletzt schlingernden Verkehrstechniksparte des deutschen Marktführers bei der Vermarktung ihres Premium-Zuges ein wichtiger Schritt gelungen ist: Siemens hat zum zweiten Mal einen Großauftrag für Hochgeschwindigkeitszüge aus China ergattert.

Der Konzern wird 100 Züge vom Typ CRH 3, eine Variante der ICE-Weiterentwicklung Velaro, mit seinen chinesischen Partnerfirmen bauen und diese auch maßgeblich mit Komponenten „Made in Germany“ ausrüsten. Siemens liefert die Elektrotechnik und Fahrwerke für rund 750 Millionen Euro. „Wir stärken damit unsere langfristigen Beziehungen zu Partnern im künftig größten Hochgeschwindigkeitsmarkt der Welt“, sagte Hans-Jörg Grundmann, Chef der Verkehrstechniksparte, an deren Sitz im fränkischen Erlangen. Ihn freue die Bestellung besonders, weil man die Fahrzeuge für die wichtigste Hochgeschwindigkeitsstrecke des Landes, nämlich die zwischen Peking und Schanghai, liefern dürfe. Die 1318 Kilometer (das entspricht der Strecke Berlin-Belgrad) soll der Zug in vier Stunden zurücklegen.

Die Chinesen hatten bereits vor vier Jahren 60 Velaros bestellt. Die ersten elf davon gingen anlässlich der Olympischen Spiele im Sommer 2008 in Peking auf die Schiene und verbinden jetzt die Hauptstadt mit der Hafenstadt Tianjin. In Spanien ist eine spezielle Variante dieses Modells schon ein paar Monate länger im Einsatz. Dort verbindet sie heute die beiden größten Metropolen Madrid und Barcelona mit einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern. Laut Siemens gelang es dem Betreiber, der auf der Strecke in Konkurrenz zu den Fluggesellschaften steht, seinen Marktanteil dank des Velaro auf 47 Prozent auszubauen.

Ende 2008 verkaufte Siemens den Velaro auch an die Deutsche Bahn und, in der speziellen Variante Velaro Rus, an die russische Staatsbahn RZD. Dort soll er die beiden größten Städte Moskau und St. Petersburg verbinden. Der Velaro sei der „umweltfreundlichste Hochgeschwindigkeitszug auf dem Markt“, wirbt Siemens. Das ergebe sich aus dem niedrigen Verbrauch, der auf Autosprit umgerechnet bei 0,33 Litern pro Sitzplatz auf 100 Kilometern liege.

Insgesamt hat Siemens mit dem jüngsten Auftrag mehr als 200 Züge der Velaro-Reihe verkauft. „Wir haben fünf der letzten sechs Aufträge im Bereich Hochgeschwindigkeitszüge gewonnen“, wie Spartenchef Grundmann am Freitag sagte. Zudem seien die Verträge mit den Chinesen langfristig angelegt, was auch die Zusammenarbeit bei zukünftigen Projekten regeln soll. Bis zum Jahr 2020 will China angeblich rund 1000 der schnellen Züge beschaffen.

Im Reich der Mitte fahren schon heute rund 600 Güterloks von Siemens, zudem sind die Münchener bei einigen Stadtbahn-Projekten vertreten. Trotz derartiger Großaufträge zählt die Verkehrstechniksparte weiter zu den Sorgenkindern im Konzern. Derzeit muss sie sich einem hartem Sanierungskurs unterziehen, die auch mit dem Abbau tausender Stellen verbunden ist.

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