Wirtschaft : Technologieaktien: Die Kurse der schwankungsanfälligen Branchentitel erholen sich seit Mai

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Das Schlimmste dürften Besitzer von Technologieaktien nun überstanden haben, ist sich James C. Hansel, Senior Portfolio Manager der UBS Asset Management, sicher. Die Kurse der schwankungsanfälligen Branche erholen sich seit Ende Mai wieder. Doch der Kurseinbruch der US-Technologiebörse Nasdaq im Frühjahr um 37 Prozent habe wieder einmal gezeigt, wie rasch Technologietitel zumindest Buchgeld vernichten können.

Aktuell gibt es nach Ansicht von Hansel zwei Faktoren, die die Entwicklung der Nasdaq in den kommenden Monaten beeinflussen: Erstens der Ausgang des Prozesses gegen Microsoft, der die Konkurrenzlage der Branche verändern werde. Zweitens die weitere geldpolitische Strategie der US-Notenbank: Vor allem die Aussagen des Fed-Chefs Alan Greenspan zur Inflationsgefahr prägten die Stimmung der Investoren.

Die Situation der Tech-Titel leitet Hansel aus einer Art Börsen-Reaktions-Schema ab: Bis März hätten Käufer die Aktienkurse teils in schwindelerregende Höhen getrieben, weil viele in der Hausse-Phase euphorisch immer weiter kauften. Als die Börsen drehten, habe sich das umgekehrt. "Die Aktienkurse gelangen wieder auf ihren normalen Trend, wenn die Angstanleger vom Markt sind", sagte Hansel. Mögliche Kursübertreibungen nähmen sie mit. Der von ihm gemanagte UBS (Lux) Equity Fund-Technology (WKN: 987 607) hat zwischen März und Mai 32 Prozent an Wert eingebüßt, seither aber wieder rund elf Prozent aufgeholt. 1999 legte der Fonds auf Euro-Basis um knapp 170 Prozent zu, auf Dollar-Basis waren es gut 130 Prozent. Der Vergleichsindex MS High Tech Index schaffte 108,12 Prozent.

Viele Anleger würden die generell guten Aussichten der Technologiesparten nicht erkennen, weil sie angsterfüllt auf die sektortypischen Kursschwankungen starrten. Als Motoren für Wachstum nennt er Internet-Zugang und den so genannten Mobile-Commerce mit Handy und Mini-Computern. Auch Investitionen in ärmere Regione der Erde dürfe man nicht unterschätzen, weil sie ebenfalls auf Produktivitätszuwachs setzten.

Hansels Rezept gegen die Technologie-typischen Kursschwankungen lautet Diversifizierung. Im Technology-Fonds streut er daher das Vermögen von gut zwei Milliarden Dollar breit innerhalb des heterogenen Technologie-Sektors. So mischt Hansel Sub-Sektoren mit verschieden langen Industriezyklen, Firmen aus mehreren Regionen, Unternehmen mit unterschiedlich hohem Wachstums- und Risikopotenzial sowie Techniktitel verschiedener Größe.

So zählen höchstens zwei Drittel der aktuell rund 60 Aktien im Fonds zu den so genannten High-Value-Titeln etwa aus der Sparte Internet wie Yahoo. Bis zu einem Drittel machen dagegen Aktien mit moderaten Gewinnzuwachschancen aus wie Compaq oder Motorola. Generell erreiche ein Einzeltitel nicht mehr als fünf Prozent des Fondsvermögens, sagte Hansel. Das habe ihn auch sein gewichtiges Qualcomm-Investment im vergangenen Jahr gelehrt: Dank immenser Kurssteigerungen machte der Titel rund 13 Prozent des Vermögens aus. Zwei Drittel der Aktien habe er vor dem Kurseinbruch verkauft. Doch der Wert gehöre noch zu den Top 20.

Hansel sucht seine Fondsaktien rein nach Einzelwertanalyse aus einer Palette von 2000 Firmentiteln aus. Ein Zehntel davon beobachtet er intensiv. Aktuell ergibt sich daraus mit rund je 30 Prozent des Fondsvermögens ein starkes Gewicht auf Halbleiter- und Elektronik-Titeln sowie Computer-Hard- und -Software-Anbietern. Internet-Services machen dagegen nur rund neun Prozent aus. Nach der Region stammen 85 bis 90 Prozent aus den USA. Die Tendenz sei jedoch abnehmend, meinte Hansel: "Europäische und auch asiatische Firmen holen auf." Zu seinen schwersten Fondstiteln zählen Micron Technology und Nortel mit je vier Prozent, ST Microelectronics mit gut drei Prozent. In Europa hebt er SAP hervor, deren Internet-Ausrichtung überzeuge, sowie den Dax-Neuling Infineon. Verkauft hat Hansel seine Microsoft-Aktien. Eine Zerschlagung der Marktmacht werde kaum abzuwenden sein, worunter der Kurs noch extrem leiden dürfte.

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