Wirtschaft : Technologieaktien: Günstige Einstiegschancen

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Technologiewerte sind derzeit nicht nur wegen zahlreicher Gewinnwarnungen angeschlagen. Zum Teil sind daran auch die großen amerikanischen Investmentfonds schuld: Um die Steuerlast auf ihre Aktiengewinne zu senken, müssen sie bis Ende Oktober Verluste realisieren. Für viele endet dann ihr Steuer- und Geschäftsjahr. Das heißt, sie verkaufen Aktien, deren Kurse gefallen sind. Mit den Verlusten reduzieren sie ihre steuerpflichtigen Gewinne. "Im September und Oktober ist der Verkaufsdruck am größten", meint der Prudential Securities-Stratege Greg A. Smith. Über die Höhe der Summen, die dabei bewegt werden, gibt es keine zuverlässigen Zahlen. "Ich könnte mir zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge vorstellen", sagt Martin Roth, ein Stratege bei der Dresdner Bank. "Das kann auch europäische Unternehmen treffen, die an der New Yorker Börse oder an der Nasdaq notiert sind." Beispiele dafür sind Nokia, Alcatel, Philips, Ericsson, Siemens, Epcos, Infineon und Vodafone Airtouch.

"In diesem Jahr traf es vor allem europäische Technologiewerte", sagt Rolf Elgeti, Stratege bei Commerzbank Securities. "US-Investmentfonds halten etwa 50 Prozent der frei gehandelten Aktien europäischer Technologieunternehmen." Diese fielen reihenweise aus US-Depots, weil sie sich schon wegen des Euro aus amerikanischer Sicht schlecht entwickelt haben. Elgeti hält den Augenblick für günstig, um in bestimmte europäische Technologiewerte einzusteigen: "Die Fondsmanager haben hohe Bargeldbestände oder sind in Öl- und Pharmawerten übergewichtet. Das Bargeld müssen sie irgendwo investieren, und Öl und Pharma sind in letzter Zeit so heiß gelaufen, dass viele nach alternativen Branchen suchen." Das werde auch europäischen Technologiewerten zu Gute kommen. Bei einigen Kandidaten rechnet Elgeti damit, dass die Fondsmanager die verkauften Technologiewerte jetzt wieder billig zurückkaufen. Sie müssten aber in der Regel einen Monat bis zu einem Wiedereinstieg verstreichen lassen. Er bevorzugt Unternehmen, die mit Mobilfunk Geld verdienen. "Davon gibt es in den USA nicht viel, und sie sind wegen des Eurokurses billig", sagt der Stratege. Den finnischen Mobilgerätehersteller Nokia würde er dabei dem schwedischen Konkurrenten Ericsson vorziehen.

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