Wirtschaft : Technologiebranche: "Das Gespenst einer harten Landung der US-Konjunkur geht um"

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Herr Grawe, die Börse hat auf die Zahlen des US-Chipherstellers Intel positiv reagiert. Ist die Talfahrt der Technologiewerte beendet?

Intel hat das sehr geschickt gemacht. Zuerst hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten gedämpft, dann die gedämpften Erwartungen erfüllt. An den Börsen herrscht nach wie vor große Nervosität. Das Gespenst einer harten Landung der US-Konjunktur geht um. Wenn Unternehmen ihre eigenen positiven Erwartungen erfüllen, dann wird das Schreckgespenst zerstreut. Aber die Stimmung wird sich erst bessern, wenn auch die anderen Unternehmen aus den USA gute Zahlen melden. Denn eine Schwalbe allein macht noch keinen Sommer.

Also sehen Sie noch keine Trendwende bei den Technologiewerten?

Nein. Wir gehen davon aus, dass die Bodenbildung erreicht ist, allerdings bei stark schwankenden Kursen. Eine Trendwende sehen wir noch nicht.

IBM sieht für 2001 "Unwägbarkeiten angesichts des Wirtschaftsklimas in den USA".

Geht das anderen Firmen nicht ebenso?

In diesem nervösen Marktumfeld will sich keiner mit gewagten Meldungen herauslehnen. Wegen der großen Unsicherheiten verfassen die Unternehmen ihre Ausblicke auf das laufende Jahr sehr vorsichtig.

Anfang 2000 haben wir bei den Technikwerten eine Übertreibung nach oben erlebt, wird jetzt in die andere Richtung übertrieben?

Die Kurse, die wir jetzt am Neuen Markt sehen, zeigen tatsächlich die Merkmale einer Überreaktion. Es herrscht eine gewisse Ausverkaufstimmung.

Könnte eine erneute Zinssenkung in den USA die Stimmung verbessern?

Wir rechnen tatsächlich mit einem zweiten Zinsschritt, eventuell bereits Ende Januar. Da diese Erwartung aber schon am Markt ist, wird der Effekt auf die Börse nicht allzu groß sein - außer die Zinssenkung fällt größer aus als erwartet.

In welche Branchen sollte man investieren?

Kritisch sehen wir die Softwarebranche, denn die Enttäuschung durch Intershop sitzt tief. Enttäuscht sind wir auch von den Medienwerten. Nicht nur die möglicherweise kriminellen Machenschaften bei EM.TV haben das Vertrauen erschüttert, es zeigt sich auch, dass die Medienrechte nicht so wertvoll sind, wie erwartet. In nervösen Zeiten sollten Anleger Unternehmen kaufen, die eine lange Historie haben, die in ihrem Segment Marktführer sind und die Gewinne machen. Rückbesinnung auf Gewinne - das ist der aktuelle Trend.

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