Wirtschaft : Technologieholding gibt Wachstumsfirmen Starthilfe - Investoren setzen auf neuartige Produkte

Birga Böcker

Mit neuen Internet- und Technologieunternehmen ist Geld zu verdienen, manchmal viel Geld. Das erkennen immer mehr potenzielle Kapitalgeber. Um sich eine Beteiligung an jungen Wachstumsfirmen zu sichern, knüpfen Banken, Industrie und Fondsgesellschaften nun schon Kontakte zu Unternehmen, die erst noch gegründet werden sollen.

Die Münchener Firma Technologieholding etwa, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Start-Kapitalgeber im Technologiebereich, veranstaltet inzwischen Wettbewerbe an Universitäten, um künftige Unternehmensgründer an sich zu binden.

"Viele Leute mit einer guten Idee haben keine Ahnung, wie sie die umsetzen können", sagt Holger Specht, Berliner Investment Manager der Technologieholding. "In wachsenden Märkten muss ein Produkt aber rasend schnell an den Markt kommen, denn nur der Erste gewinnt." Doch um im Wettlauf mit der Zeit die Nase vorn zu haben, brauchen viele gewinnträchtige Unternehmen zunächst einmal Kapital.

Das haben die Manager der Technologieholding schon früh erkannt. Seit 1987 bemühen sie sich, Anleger für die Bereiche Internet, Biotechnologie und Multimedia zu interessieren - anfangs ein mühsames Geschäft. Drei Jahre dauerte es, bis der erste kleine Fonds mit einem Gesamtvolumen von 27 Millionen Mark stand. Heute ist die Technologieholding an 107 Unternehmen beteiligt und verwaltet insgesamt 520 Millionen Mark.

"Seit sich der Neue Markt etabliert hat, wird Kapital viel freizügiger vergeben", sagt Technologieholding-Teilhaber Stefan Friese. "Noch 1996 haben wir interessante Unternehmen in der Schweiz an die Börse bringen müssen, weil die Banken in Deutschland nur an konservativen Werten interessiert waren", erinnert er sich. Friese und seine Kollegen ließen sich vom Zögern der hiesigen Banken und Investoren jedoch nicht abschrecken. Stattdessen investierten sie frühzeitig in Internet-Firmen wie Intershop oder Brokat, lange bevor E-Commerce in Deutschland überhaupt ein Begriff war.

Dabei beschränkten die Manager sich nie darauf, nur das nötige Startkapital zu besorgen. "Wir wollen die Entwicklung der Unternehmen mit bestimmen", sagt Friese mit Nachdruck. Das bedeutet Mitsprache bei Investitionsentscheidungen der Firmen, Hilfe beim Börsengang und die gemeinsame Suche nach internationalen Partnern.

Das nötige Know-How dazu haben sich die meisten der 26 Investment-Manager der Technologieholding durch ein kombiniertes technisches und betriebswirtschaftliches Studium erworben. Doch qualifiziertes Personal zu gewinnen, wird für die Holding immer schwieriger.

Das starke Interesse an Technologiewerten hat den Wettbewerb zwischen den Venture-Capital-Gebern verschärft. Selbst klassische Unternehmensberatungen wie Arthur Andersen und McKinsey machten inzwischen eigene Fonds auf - und damit der Technologieholding Konkurrenz. Um sich ihre führende Position in Deutschland zu sichern, hat sich die Holding im Februar der 3i-Gruppe angeschlossen. 3i engagiert sich, anders als die Technologieholding, weltweit und ist nach eigener Aussage die führende Venture-Capital-Gesellschaft Europas. Der in London ansässigen Gesellschaft stehen insgesamt 20 Milliarden Mark Investitionsvolumen zur Verfügung. Für die viel kleinere Technologieholding bedeutet die zukünftige Muttergesellschaft neue Chancen im Rennen um die besten Wachstumswerte. "Unter dem neuen Dach können wir uns endlich auch international an erfolgsversprechenden Unternehmen beteiligen", freut sich Friese.

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