Technologiekonzern : Siemens schreibt rote Zahlen

Der Konzern setzt sich weniger ehrgeizige Ziele und will erneut eine große Geschäftseinheit abstoßen.

Thomas Magenheim
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Trüber Ausblick. Siemens-Chef Peter Löscher sagte am Donnerstag in München, er erwarte für 2010 schrumpfende Umsätze. Foto: ddpddp

München - Der Technologiekonzern Siemens macht sich auf eine längere Flaute gefasst. „Insgesamt bleibt das Marktumfeld 2010 herausfordernd“, sagte Vorstandschef Peter Löscher am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz in München. Eine Milliardenabschreibung beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) sorgte im vierten Quartal sogar für rote Zahlen in der Bilanz. Dennoch habe Siemens seine Ziele für 2009 erreicht und teilweise sogar übererfüllt, sagte Löscher.

Für das kommende Geschäftsjahr, das am 1. Oktober begonnen hat, gab der Konzern allerdings nur einen sehr verhalteten Ausblick. So soll der Umsatz um einen mittleren einstelligen Prozentsatz schrumpfen. Bisher hatte Siemens sich das Ziel gesetzt, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft. Für diese wird in 2010 jedoch wieder ein Wachstum erwartet. Das Ergebnis der drei Sparten Industrie, Energie und Gesundheit soll zwischen sechs und 6,5 Milliarden Euro liegen – und damit unter dem Niveau von 2009. Unter dem Strich soll der Gewinn gegenüber dem Vorjahreswert von 2,5 Milliarden Euro um rund 20 Prozent steigen.

Die Börse reagierte enttäuscht auf die Zahlen. Die Aktie verlor in der Spitze fast vier Prozent. „Während die Erwartungen für die Umsätze okay sind, deutet der Ausblick für den Gewinn der Sektoren darauf hin, dass die Marktschätzungen immer noch ein wenig zu hoch liegen und dass die Analysten ihre Erwartungen herunterschrauben müssen“, sagte Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck.

Siemens steht erneut vor der Trennung von einer großen Geschäftseinheit mit fast einem Zehntel aller konzernweit gut 400 000 Beschäftigten. Mit dem Ziel eines möglichen Börsengangs ausgegliedert werde zum Juli 2010 die IT-Sparte Siemens IT Solutions (SIS) kündigte Löscher an. Ob alternativ auch ein Verkauf oder vorangehender Stellenabbau droht, ließen beide vorerst offen, kündigten aber baldige Details an. Die IG Metall befürchtet Jobverluste, um den margenschwachen Konzernteil mit zuletzt knapp fünf Milliarden Euro Jahresumsatz und weltweit 35 000 Beschäftigten attraktiver zu machen. Hierzulande beschäftigt SIS rund 10 000 Menschen.

Im Kerngeschäft wird es 2010 sicher zu weiterem Stellenabbau kommen, nachdem Siemens schon im vergangenen Geschäftsjahr weltweit 23 000 Stellen gestrichen hat. In Deutschland wurde die Belegschaft um 5000 auf noch 128 000 Personen gekappt. Das Ausmaß des neuerlichen Abbaus ließ Löscher offen.

Davon abgesehen kam Siemens 2008/09 glimpflich durch die Weltwirtschaftskrise. Zwar gaben die Auftragseingänge um 14 Prozent auf noch 79 Milliarden Euro nach. Aber im Umsatz blieb der Konzern mit 76,7 Milliarden Euro fast konstant. Die operativen Gewinne legten sogar um 13 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro zu. Verglichen mit der Konkurrenz habe sich Siemens sehr erfolgreich geschlagen, lautete Löschers Fazit. mit vis

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